Notfälle und Verletzungen bei Babys und Kindern vermeiden
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Notfälle und Verletzungen bei Babys und Kindern vermeiden

Einige Gefahrenquellen für die Kleinsten sind aus dem Blickwinkel eines Erwachsenen nicht immer sofort erkennbar. Aus diesem Grund sind hier die wichtigsten Gefahrenpunkte und Tipps zur Unfallvermeidung für Familien mit Babys und Kleinkindern zusammengestellt.

Frau Dr. Rothe
von Dr. Anne Rothe
Kinderärztin
Do, 08/27/2015 - 12:17 Thu, 01/24/2019 - 09:30

Die größten Unfallrisiken im ersten Lebensjahr

Bereits nach der Geburt gibt es schon die ersten Unfallrisiken. Der Sturz vom Wickeltisch gehört beispielsweise im ersten Lebensjahr zu den häufigsten Verletzungsursachen. Auch umgekippte heiße Getränke oder heißes Wasser bei der Zubereitung des Fläschchens sorgen für erhebliche Verletzungen bei Babys und Kleinkinder, denen vorgebeugt werden kann.

Sicherheit auf dem Wickeltisch

Möchten Sie beim Wickeln gänzlich Sturzrisiken vermeiden, dann verzichten Sie auf eine Wickelkommode oder Auflage. Das Wickeln auf dem Boden ist am sichersten. Da dies vielen Eltern allerdings nicht praktikabel, bequem und hygienisch genug erscheint, legen sich die meisten Familien einen Wickeltisch zu.

Dieser sollte aus Sicherheitsgründen mindestens 70 x 80 cm groß sein. Ein dicker Teppich unter dem Wickeltisch kann einen ungewollten Sturz etwas abfedern.

Beim Wickeln sollte immer eine Hand am Baby bleiben, um jegliche Sturzgefahr zu vermeiden. Auch Babys, die sich noch nicht drehen oder aufsetzen, können durch Strampelbewegungen ihre Liegeposition plötzlich verändern und vom Wickeltisch fallen. Das Aufstellen des Wickeltischs in einer Raumecke reduziert die Sturzgefahr.

Zudem sollte alles griffbereit liegen, damit Sie nie außer Reichweite des Kindes gehen müssen. Das Wichtigste ist: Denken Sie immer daran, egal was passiert, Ihr Kind sollte nie allein auf dem Wickeltisch liegen!

Gefahrenquellen

Sicherer Babyschlaf

Auch das Kinderbett birgt einige Risiken für Neugeborene und Babys. So können sie in den ersten Lebensmonaten ungewollt unter Kissen und Decken rutschen oder Nase / Mund werden beispielsweise von einem Kuscheltier bedeckt.

Die Atemwege werden blockiert und es droht Erstickungsgefahr. Diese Gegenstände sollten sich also nicht im Babybett befinden.

Ebenfalls ist darauf zu achten, dass bei Gitterbetten die Gitter stabil und hoch genug sind und keine Schnüre oder Kordeln, beispielsweise von einem Nestchen, ins Bett hängen.

Da die Temperatur im Schlafzimmer möglichst nicht über 18 Grad liegen sollte, empfiehlt sich statt einer Decke ein Babyschlafsack, der nicht zu groß sein sollte. Ansonsten könnte das Kind in den Schlafsack hineinrutschen und es besteht Erstickungsgefahr.

Studien belegen, dass Fälle von "plötzlichem Kindstod" vermehrt in warmen und stickigen Schlafumgebungen auftreten. Beim "plötzlichen Kindstod" handelt es sich um das unvorhergesehene Sterben von Babys in den ersten zwölf Lebensmonaten. Hinsichtlich des Zusammenhangs Liegeposition und "plötzlicher Kindstod" gehen die Meinungen der Mediziner auseinander.

Schon lange ist bekannt, dass das Schlafen in Bauchlage ein Risikofaktor für den „plötzlichen Kindstod“ ist. Aktuell gilt die Rückenlage als beste Schlafposition.

Es wird außerdem empfohlen, dass das Baby im eigenen Babybett, jedoch im Elternschlafzimmer schlafen sollte. Für die ersten Lebensmonate haben sich Beistellbetten, die man neben das Elternbett stellen kann, als sehr praktisch erwiesen.

Kinder sollten zur Prävention des "plötzlichen Kindstodes" immer in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen und schlafen. Rauchen in der Schwangerschaft und nach der Geburt gilt als wichtigster Risikofaktor.

Gut und sicher gekleidet

Auch bei der Wahl der Kleidung sind Sicherheitsaspekte zu beachten: Schals und Kordeln können auf dem Spielplatz leicht zu Strangulationen (beispielsweise an der Rutsche) führen. Eine Schnullerkette kann demnach, wenn sie zu lang ist, ebenfalls ein Risiko darstellen.

Anziehsachen sollten stets schwer entflammbar sein.

Sicheres Baby- und Kinderspielzeug

Der Kauf von Spielzeug ist immer auch eine Frage der Sicherheit. Verletzungen und schwere Notfallsituationen können beim Spielen beispielsweise durch:

  • scharfe Kanten
  • herausstehende Spitzen sowie
  • verschluckbare Kleinteile (die sich auch in andere Körperöffnungen wie Nase und Ohren stecken lassen) entstehen

Einige batteriebetriebene Spielzeuge sind so laut, dass sie das Innenohr von Kleinkindern schädigen können. Achten Sie darauf, dass Batteriefächer kindersicher verschlossen sind. Werden Batterien, insbesondere Knopfbatterien, verschluckt, kann dies bei Kindern zum Tod führen.

Falls Ihr Baby bzw. Kleinkind große Geschwister hat, klären Sie diese über die möglichen Risiken von Spielzeugen auf und bitten Sie sie auf potenzielle Gefahrenquellen zu achten. Die Nutzung von Gehfreis bzw. Walkern als Lauflernhilfe wird von Kinderärzten grundsätzlich nicht empfohlen, da sie immer wieder zu schweren Stürzen und Verletzungen führen.

Endlich am Tisch sitzen: Sicherheitstipps für den Hochstuhl

Ein Hochstuhl birgt wie ein Wickeltisch die Gefahr, dass ein Kleinkind von ihm herunterfällt und sich schwer verletzen kann. Oftmals kommt es beim Sturz aus dem Hochstuhl zu Kopfverletzungen. Lassen Sie Ihr Kind deshalb nie allein im Hochstuhl und verwenden Sie zur Sicherheit einen Hüftgurt, wenn Ihr Kind im Hochstuhl immer wieder aufsteht. Die Stabilität und Kippsicherheit sollten Sie regelmäßig überprüfen.

Kindersicher wohnen

Sobald ein Baby entdeckt, wie es sich fortbewegen kann und sich zu drehen beginnt, zu robben, zu krabbeln und später zu laufen, eröffnen sich zahlreiche Gefahrenquellen in seiner häuslichen Umgebung, die es zu sichern gilt. Zu ihnen zählen:

Gefahrenquelle

Gefahr

Sicherheitsmaßnahme

Steckdosen

Stromschlag

Steckdosenschutzeinsätze

Schubladen, Schränke, Regale

Einklemmen der Finger, gefährliche Inhalte (wie Messer), Kippen bei Kletterversuchen

Schubladenkindersicherung, Befestigung von hohen Schränken und Regalen an der Wand

Dekoration

Verschlucken von Kleinteilen, Kontakt mit scharfen Kanten und herausragenden Spitzen, Strangulationsgefahr an Kabeln und Kordeln

Dekoration mit Gefahrenpotenzial außerhalb der Reichweite von Kindern aufstellen

Treppen

Treppensturz

Treppengitter

Türen

eingeklemmte Finger, bei steckengelassenem Schlüssel Gefahr des Einsperrens

Kindersicherung für den Scharnierbereich und gegebenenfalls auch eine U-förmige Türsicherung, die das Verschließen einer Tür verhindert, Schlüssel stets entfernen

Fenster

Fenstersturz

abschließbare Fenstergriffe

Balkon

Sturz vom Balkon

abschließbarer Balkontürgriff, keine unbeobachteten Aufenthalte

scharfe Möbelkanten

Verletzungen bei Stürzen

Kantenschutz

Küche

scharfe Messer, spitze Gegenstände, alkoholische Getränke, scharfe Gewürze, Reinigungsmittel

potentielle Gefahrenquellen außer Reichweite des Kindes aufbewahren, Schubladen und Schranktüren entsprechend sichern

Hitzequellen
(Backofen, Herd, Kamin, heiße Speisen und Getränke, Glühbirnen, Kerzen, heiße Heizkörper)

Verbrennungen und Verbrühungen

Anbringen eines Herdgitters, Aktivieren der Kindersicherung an Herd und Backofen (falls vorhanden), Schutzgitter vor der Backofenscheibe, Gitter um den Kamin, heiße Speisen und Flüssigkeiten außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren, den Kontakt mit Glühbirnen, brennenden Kerzen und heißen Heizkörpern vermeiden

Gifte
(Putzmittel, Lampenöl, Blumendünger, Insektenschutzmittel, Zigaretten, Pflanzen)

Vergiftungen

Alle im Haushalt notwendigen Mittel, die giftig sind, sollten außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Garten
(Regentonne, Planschbecken, Gartenteich, Leitern, Erdlöcher, Giftpflanzen)

Ertrinken, Stürze, Verschüttung, Vergiftung

keine unbeobachteten Aufenthalte in ungesicherter Gartenumgebung, Zaun/Gitter entlang von Gartenteichen, sicheres Wegstellen von Leitern, Absicherung von größeren Erdlöchern/Schächten

Straßenverkehr

Verkehrsunfälle

 

hohe Aufmerksamkeit, stets das Kind an die Hand nehmen und wenn es größer ist über die Gefahren an und auf einer Straße aufklären

Zusammenfassung

Sicherheit ist wichtig - die Entwicklung und Entfaltung Ihres Kindes ist es auch. Selbstverständlich sollten Eltern ihr Kind vor Gefahren schützen. Doch das bedeutet nicht, das Kind zu sehr zu behüten, um so vermeintlich sämtliche Verletzungsrisiken auszuschließen. Je nach Entwicklungsstand ist es sogar sinnvoll, dem Kind selbst das Erkennen von Gefahrensituationen zu ermöglichen. Das sollte jedoch immer in Begleitung von Erwachsenen geschehen.

Fazit
Bereits ab der Geburt gibt es alterstypische Gesundheits- und Verletzungsrisiken bei Kindern, die Eltern kennen und vermeiden sollten
In den ersten Monaten ist eine sichere Schlafumgebung wichtig, die dem „plötzlichen Kindstod“ vorbeugt
Mit zunehmender Mobilität des Kindes sind auch mehr potenzielle Gefahrenquellen zu berücksichtigen
Verbrennungen und Verbrühungen sind im Kindesalter immer Notfälle, die ärztlich behandelt werden müssen

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