Scharlach
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Scharlach

Eine Kinderkrankheit, gegen die es keine Impfung gibt - Der Erreger der Infektionskrankheit gehört zur Familie der Streptokokken. Als Parasiten siedeln diese Bakterien bei etwa 20 bis 30 Prozent aller Menschen unbemerkt in den Schleimhäuten, ohne Beschwerden zu verursachen oder sich sonst irgendwie bemerkbar zu machen. Unter bestimmten Umständen beginnen die Bakterien mit der Produktion einer giftige Substanz, dem Scharlach-Toxin, welches sich über die Blutbahn im gesamten Körper ausbreitet.

windeln.de Redaktion
von windeln.de Redaktion
Mo, 08/14/2017 - 15:46

Was ist Scharlach?

Scharlach zählt zu den typischen Kinderkrankheiten, weil in erster Linie Babys und Kleinkinder bis zum Alter von etwa sieben Jahren erkranken. Laut Statistik stecken sich in Deutschland jährlich etwa 1,5 Millionen Menschen mit dieser Infektionskrankheit an, wovon etwa 90 Prozent Kinder sind.

Während noch im 19. Jahrhundert viele Kinder an Scharlach starben, gibt es heute, dank bestens wirksamer Antibiotika-Präparate, eine beinahe 100-prozentige Heilungsquote.

Typische Symptome und Krankheitsverlauf bei Kindern

Nach der Ansteckung vergehen zwischen ein und fünf Tage, ehe die ersten Symptome auftreten:

  • Fieber, Schüttelfrost
  • starke Halsschmerzen
  • massive Schluckbeschwerden, eventuell mit Brechreiz verbunden
  • das Kind fühlt sich matt und sieht blass aus
  • Gaumen, Mandeln und Zäpfchen sind stark gerötet

Im weiteren Verlauf erscheinen auf den Mandeln, als Ausdruck für eitrige Beläge, kleine gelbe Stippchen. Nach und nach schwellen die Lymphknoten im Kopfbereich schmerzhaft an. Damit einhergehend breitet sich vom Achselbereich und von der Leistengegend her, ein kleinfleckiger, samtartiger, roter Ausschlag über den gesamten Körper aus. Allein die Region um den Mund herum bleibt auffallend blass.

Etwa zwei bis drei Tage nach den ersten Krankheitsanzeichen färbt sich die Zunge tiefrot und erscheint dem Betrachter als die, für den Scharlach so typische "Himbeerzunge". Die meisten Kinder entwickeln zusätzlich einen heftigen Schnupfen, der unter Umständen in eine Nebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung übergehen kann.

Wieder etwa zwei bis drei Tage später verschwindet der Ausschlag. Mit Ausnahme des hochroten Rachens und der Himbeerzunge wirkt das Kind jetzt insgesamt sehr blass.

Während der Ausheilungsphase beginnt die Haut, besonders an den Fingern, Handflächen, Zehen und an den Fußsohlen, zu schuppen.

Wie erfolgt die Ansteckung?

In den meisten Fällen übertragen sich die Bakterien durch Tröpfcheninfektion (Sprechen, Husten, Niesen) von einem Menschen auf den anderen. Manche Experten nehmen auch an, dass zusätzlich eine Übertragung der Keime durch Schmierinfektion möglich ist, sind sich in diesem Punkt jedoch nicht ganz sicher.

Das Risiko einer Ansteckung ist dort, wo sich größere Menschengruppen auf engem Raum aufhalten, wie etwa im Kindergarten, in der Schule oder innerhalb einer Sportgruppe besonders groß.

Bei Verdacht auf Scharlach immer zum Arzt

Der Kinder- und Jugendarzt wird zunächst den Schweregrad des Krankheitsverlaufes einschätzen und entscheiden, ob Antibiotika verabreicht werden müssen oder nicht. Falls der Scharlach vergleichsweise leicht ausfällt oder bestimmt Gründe gegen die Gabe von Antibiotika sprechen, muss die Erkrankung trotzdem sorgfältig medizinisch begleitet werden. Nur so lassen sich Komplikationen rechtzeitig erkennen und behandeln.

Therapie: Verlauf und Prognose

In der Regel erfolgt die Bekämpfung der Infektion mithilfe eines Antibiotikums. Speziell für Kinder gibt es neben Tabletten auch Säfte oder Zäpfchen, sodass auch Babys die richtige Dosis problemlos aufnehmen können. Daneben helfen viel Ruhe und körperliche Schonung beim raschen Ausheilen der Infektion.

Bis zu 24 Stunden nach Verabreichung der ersten Antibiotika-Dosis ist Scharlach ansteckend. Sofern kein Antibiotikum zum Einsatz kommt, besteht bis zum endgültigen Abklingen sämtlicher Symptome Ansteckungsgefahr, also etwa drei Wochen. So lange dauert nämlich normalerweise Scharlach.

Unter strikter Medikation mit einem Antibiotikum gemäß ärztlicher Anweisung ist die Krankheit zumeist nach zehn bis zwölf Tagen ohne weitere Folgen ausgestanden.

Danach beginnt das Schuppen der Haut, vor allem an den Händen und an den Fußsohlen. Selbst wenn beim Kind keine weiteren Krankheitsanzeichen zu beobachten sind, sollten die Eltern darauf achten, dass es sich insgesamt mindestens vier Wochen lang körperlich schont. Ärzte raten außerdem, mit dem Sporttreiben (Kindergarten, Schule) frühestens nach sechs Wochen wieder zu beginnen.

Weitere Maßnahmen:

  • kühle Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente gegen hohes Fieber
  • körperwarme Getränke und weiche Kost erleichtern das Schlucken
  • Das Kind benötigt viel Flüssigkeit. Deshalb sollten Eltern, vor allem wenn ihr Kind noch klein ist, sorgfältig darauf achten, dass es ausreichend trinkt.

Warum bekommen manche Kinder keinen Scharlach?

Obwohl es keine Impfung gibt, scheinen manche Kinder gegen Scharlach immun zu sein. Sie bekommen die Krankheit nie, selbst wenn die Infektion im Kindergarten oder in der Schule ihre Kreise zieht. Wissenschaftler vermuten dahinter genetische Ursachen. Auch Kinder, die das zehnte Lebensjahr überschritten haben, erkranken vergleichsweise selten an Scharlach. Wahrscheinlich hilft diesen Kindern ihr, zu diesem Zeitpunkt bereits recht gut entwickeltes, Immunsystem.

Scharlach kann sich wiederholen

Vom Scharlach-Erreger gibt es vier verschiedene Formen. Das Kind entwickelt nach einer überstandenen Erkrankung zwar einen lebenslangen Schutz, allerdings nur gegen dieselben Streptokokken. Andere Bakterien aus der gleichen Erregerfamilie können demnach erneut Scharlach auslösen. Theoretisch kann also jedes Kind viermal im Leben an Scharlach erkranken.

Können Eltern ihr Kind wirkungsvoll vor der Infektionskrankheit schützen?

Eine Impfung gibt es nicht. Abgesehen von guter allgemeiner Hygiene gibt es somit auch keinen wirksamen Schutz. Die wichtigste Empfehlung ist: Schnell Handeln, sobald Eltern bei ihrem Kind oder bei sich selbst Scharlach vermuten. Der Arzt kann mit schnellem, gezieltem Eingreifen eventuell verhindern, dass sich die Infektion im gesamten Körper ausbreitet. Dadurch lässt sich die Schwere der Beschwerden beträchtlich abmildern und das Kind wird schneller wieder gesund.

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Fazit
Bei einer Entzündung im Hals, Fieber und Hutausschlag sollten Eltern ihr Kind einem Arzt vorstellen.
Solange sich das Kind schlecht fühlt und fiebert, sollte es im Bett bleiben.
Frühestens eine Woche nach überstandenem Scharlach darf das Kind wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen, sollte sich jedoch weiter körperlich schonen.

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