Wochenbett
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Wochenbett

Im Wochenbett stehen viele körperliche Veränderungen an - Eine Schwangerschaft ist für Frauen mit vielen körperlichen Veränderungen verbunden. Aber auch nach der Geburt des Kindes muss sich der Körper langsam umstellen: Die Milchproduktion beginnt, die Geburtswunden verheilen und die Gebärmutter bildet sich zurück.

Ina Ilmer
von Ina Ilmer
Hebamme & Mutter
Mo, 05/12/2014 - 13:54 Fri, 11/24/2017 - 10:39

Wochenbett: Ruhephase für die Mutter

Die Zeitspanne von der Geburt der Plazenta bis zur vollständigen Rückbildung der Gebärmutter wird als Wochenbett bezeichnet und dauert in etwa 6 bis 8 Wochen. Dabei unterscheiden Ärzte und Hebammen zwischen einem Früh- und einem Spätwochenbett.

Die ersten zehn Tage nach der Geburt des Babys werden Frühwochenbett genannt. Junge Mütter benötigen in dieser Zeit besonders viel Ruhe, um sich von den Strapazen der Geburt zu erholen. Außerdem ist diese Zeit wichtig, um sein Baby behutsam kennenzulernen.

Um diese Zeit mit dem Neugeborenen in aller Ruhe genießen zu können, sollte der Haushalt erstmal Nebensache sein.
Tipp: Fragen Sie vor der Geburt Familienmitglieder und Freunde, ob Sie sich in den ersten Tage um Essen, Einkauf und etwas Hausarbeit kümmern können.

Auch im Spätwochenbett sollten sich frischgebackene Mütter noch nicht übernehmen und es etwas ruhiger angehen lassen. Das Wochenbett ist nach etwa 8 Wochen beendet, wenn sich die Gebärmutter vollständig zurückgebildet hat.

Das geschieht im Wochenbett

Im Wochenbett stehen bei der jungen Mutter viele körperliche Veränderungen an. Die Gebärmutter bildet sich langsam auf ihre Ursprungsgröße und ein Gewicht von etwa 70 Gramm zurück. Kaum zu glauben: Während der Schwangerschaft erreicht die Gebärmutter das 20-fache ihrer Größe und wiegt rund 1000 Gramm. Die Rückbildung der Gebärmutter wird von Nachwehen unterstützt.

Vor allem beim Stillen und der damit verbundenen Ausschüttung des Hormons Oxytocin zieht sich das Muskelgewebe zusammen. Bei der ersten Geburt merken die jungen Mütter häufig nur ein leichtes Ziehen im Unterleib. Ab dem zweiten Kind klagen Frauen über stärkere Schmerzen, da sich die vorgedehnte Gebärmutter stärker zusammenziehen muss.

Im Wochenbett schreitet auch langsam die Wundheilung voran: Durch die Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand unmittelbar nach der Geburt entsteht eine Wundfläche. Das Wundsekret, das aus der Vagina austritt wird als Wochenfluss bezeichnet. Dieser dauert bis zu 6 Wochen. Zum Wochenbett gehört auch die Stärkung des Beckenbodens sowie der Bauchmuskulatur.

Mit Übungen, die die Hebamme mit der jungen Mutter im Wochenbett durchführt, können Beckenboden und Bauchmuskeln gezielt trainiert werden. Allerdings sollte die Bauchmuskulaturgezielt erst dann trainiert werden wenn die Rektusdiastase, also die geraden Bauchmuskeln geschlossen sind und der Beckenboden wieder kontrolliert werden kann.

Demnach sollte bewusst darauf geachtet werden, die Bauchmuskeln nicht zu belasten. Ein Beispiel ist falsches Aufstehen. Gerade im Wochenbett sollte immer über die Seite aufgestanden werden, um eine Belastung der geraden Bauchmuskeln zu vermeiden. Übungen im Wochenbett sind besonders wichtig, da ein überdehnter Beckenboden später bei Frauen zu Inkontinenz führen kann.

Wochenbett nach einem Kaiserschnitt

Frauen, die ihr Baby mit einem Kaiserschnitt entbunden haben, müssen deutlich länger mit den Nachwirkungen der Geburt kämpfen. Sie benötigen schon allein aufgrund der Kaiserschnittnarbe und der Wundschmerzen längere Zeit, um ihren Körper zu regenerieren. Häufig bleiben diese Frauen etwa 3 bis 7 Tage nach der Geburt im Krankenhaus.

Zu Hause angekommen sollten sich die Frauen besonders schonen und die Zeit mit ihrem Baby ausgiebig genießen. Da sie in der ersten Zeit ihr Baby aufgrund der Kaiserschnittnarbe nicht tragen und wickeln sollten, sind sie besonders auf die Hilfe vom Partner, anderen Familienmitgliedern oder Freunden angewiesen.

Tipp: Falls Sie in Ihrem Umfeld niemanden haben, der Ihnen unter die Arme greifen kann, informieren Sie sich bei Ihrer Hebamme oder der Krankenkasse nach externer Unterstützung.

Genau wie nach einer spontanen Geburt treten auch nach einem Kaiserschnitt Nachwehen auf und es kommt zum Wochenfluss. Dieser ist häufig jedoch nicht ganz so stark wie bei einer spontanen Geburt.

Nach einem Kaiserschnitt sollten sich Frauen etwa 6 Wochen schonen und auf körperliche Anstrengungen wie zum Beispiel schweres Tragen und Hausarbeit komplett verzichten. Wer sich zu früh zu viel zumutet, hat nicht selten mit Störungen der Wundheilung zu kämpfen.

Selbstverständlich steht auch diesen Müttern eine Nachsorge durch eine Hebamme zu. Sie kümmert sich neben der Kontrolle der Gebärmutter und des Wochenflusses zusätzlich um den Heilungsprozess der Kaiserschnittnarbe. Außerdem kann sie hilfreiche Tipps zum Stillen geben, das selbstverständlich auch nach einem Kaiserschnitt möglich ist.

Komplikationen im Wochenbett

Auch wenn das Wochenbett in der Regel problemlos verläuft, kann es bei einigen Frauen zu Komplikationen kommen. Fieber in Kombination mit einem Rückgang des Wundsekrets spricht für einen Wochenflussstau. Außerdem kann es im Wochenbett zu einem Milchstau und schmerzhaften Brustentzündungen kommen, die mit Fieber einhergehen können.

Zudem ist im Wochenbett die Gefahr einer Thrombose erhöht, die durch mangelnde Bewegung und Krampfaderbildung in der Schwangerschaft hervorgerufen werden kann. Um Thrombosen vorbeugen zu können hilft eine regelmäßige Gymnastik im Wochenbett, die die Durchblutung fördert.

Eine weitere Komplikation ist das sogenannte Kindbettfieber. Diese Infektionskrankheit kann sich zum Beispiel durch Fieber, Druckschmerzen im Unterbauch und eine verzögerte Gebärmutterrückbildung äußern. Aber auch die Wochenbettdepression stellt eine Komplikation während des Wochenbetts dar, die über kleine Stimmungsschwankungen hinaus geht. Bei Komplikationen sollten Sie immer Ihre Hebamme oder Ihren Arzt zu Rate ziehen.

Die Nachsorge: Hebammenhilfe im Wochenbett

Eine wertvolle Hilfe und Unterstützung für die ersten Tage nach der Geburt stellt die Hebamme für die jungen Eltern dar. In den ersten zehn Tagen nach der Entbindung besucht sie täglich Mutter und Baby. Die Hebamme kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter sowie den Wochenfluss und schaut sich, soweit vorhanden, den Heilungsprozess der Dammnaht an. Darüber hinaus steht die Hebamme beim Stillen mit Rat und Tat zur Seite, gibt Tipps für die Babypflege und begutachtet den Nabel des Babys. Das Baby wird in den ersten Tagen außerdem von der Hebamme gewogen.

Aber auch bei Unsicherheiten, Sorgen und Ängsten ist die Hebamme eine sehr gute Ansprechpartnerin. Darüber hinaus sind bis zum Alter von 8 Wochen 16 weitere Termine mit der Hebamme möglich. Die Nachsorge durch die Hebamme wird von den Krankenkassen bezahlt. 

Auch nach der achten Woche steht den Frauen weiterhin Hebammenbetreuung zu, bei Stillproblemen bis zum Ende der Stillzeit und bei nicht gestillten Kindern bis zum 9.Monat. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Hebamme auch dann noch um Rat zu fragen.

Wochenbettgymnastik: Wichtig für die Rückbildung

Damit sich die Gebärmutter vollständig zurückbilden kann und Beckenboden und Bauchmuskeln wieder gekräftigt werden, ist eine spezielle Gymnastik im Wochenbett wichtig. Schon beim Aufenthalt im Krankenhaus werden den jungen Mamas einfache, aber effektive Übungen gezeigt. Und auch die Hebammen, die die Wöchnerinnen zu Hause betreuen, führen gemeinsam Gymnastikübungen durch.

Auch wenn Sie vor der Schwangerschaft sehr sportlich waren: Die ersten 6 Wochen nach der Entbindung sollten Sie auf anstrengende Workouts verzichten und sich viel Ruhe gönnen. Vor allem Sportarten wie zum Beispiel Joggen belasten den Beckenboden sehr. Mit der eigentlichen Rückbildungsgymnastik, die in speziellen Kursen von Hebammen angeboten wird, sollten Frauen ebenfalls erst nach dieser 6-wöchigen Schonfrist beginnen, abgeschlossen sein sollte er allerdings spätestens ab dem 9. Lebensmonat des Kindes. 

Fazit

  • Das Wochenbett dauert bis zu 8 Wochen
  • Im Frühwochenbett ist viel Ruhe für die Mutter besonders wichtig
  • Bei Komplikationen immer einen Arzt oder die Hebamme aufsuchen
  • Nachsorge wird von den Krankenkassen bezahlt
  • Wochenbettgymnastik ist wichtig für die Rückbildung der Gebärmutter

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Tipps von Hebamme Ina Ilmer
  • Genießen Sie die Flitterwochen mit ihrem Baby ! Delegieren Sie Haushaltstätigkeiten und lassen Sie sich lieber einen Korb gebügelter Wäsche schenken als den zehnten Strampler.
  • Freuen Sie sich auf die erste Zeit mit ihrem Baby und genießen sie das Wochenbett!
  • Besuchen Sie einen Rückbildungskurs- dieser ist sehr wohltuend zur Stärkung des Beckenbodens und des Körpers und dient auch dem Zusammentreffen mit anderen Mamas- häufig entwickeln sich nette Gruppen daraus und nicht selten trifft man sich auch noch später mit den Babys.
  • Lassen sie sich von ihrer Hebamme spezielle Stillpositionen zeigen, die beim Kaiserschnitt die Narbe wenig belasten wie z.B der Fliegergriff.
  • Auch ist es sehr wohltuend, die Kaiserschnittnarbe mit speziellen Narbengels zu pflegen, um eine bessere Wundheilung zu erzielen.
  • Gönnen Sie sich im Wochenbett bewusst schöne Dinge. Sie haben Großartiges geleistet- belohnen Sie sich. Wie wäre es mit einem Lieferservice Ihres Lieblingsrestaurants- gute gesunde Ernährung im Wochenbett ist wichtig für die Regeneration der Mutter und auch für das Stillen.

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