Geburt » Wie Männer ihre Partnerin untersützen können

Geburt » Wie Männer ihre Partnerin untersützen können

Die Anwesenheit des Vaters im Kreißsaal wird heute oft erwartet, sollte aber eine bewusste Entscheidung sein. Offene Gespräche während der Schwangerschaft und eine gute Vorbereitung, z.B. durch Geburtsvorbereitungskurse, sind unerlässlich. Bei Unsicherheiten können auch alternative Begleiter wie Doulas oder Verwandte hilfreich sein.

Christina Altmann

Hebamme Christina AltmanChristina Altmann hat 2011 am UKSH in Kiel ihr Hebammenexamen abgelegt. Sie war unter anderem als freiberufliche Hebamme tätig und teilt ihr Wissen seit Jahren im Internet sowie bei Vorträgen.

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Noch vor 30 Jahren endete die Rolle von Vätern bei der Geburt fast immer an der Tür des Kreißsaals. Doch heute begleiten die meisten Väter ihre Partnerin bei der Geburt. Eine gute Vorbereitung darauf bietet Sicherheit.


Offenheit – auch über Unsicherheiten und Bedenken

Viele Männer fühlen sich von vornherein verpflichtet, bei der Geburt dabei zu sein – von „modernen Vätern“ wird dies heute geradezu erwartet. Die meisten Männer stellen sich dieser Erfahrung am Ende trotzdem ganz bewusst – und zwar nicht, weil sie irgendeine Erwartungshaltung erfüllen wollen oder müssen, sondern weil sie sich selber wünschen, ihrer Partnerin in diesen existentiellen Stunden beizustehen.

Wenn sich ein Vater – nach umfassender Information, was bei einer Geburt im einzelnen geschieht – trotzdem gegen seine Anwesenheit dabei entscheidet, sollte die Frau dafür jedoch Verständnis haben. Im Kreißsaal wird er ihr dann vermutlich keine Hilfe sein. Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Eine Geburt ist einer der intimsten Momente im Leben einer Frau – und nicht alle Frauen wünschen sich, dass ihr Partner sie dabei erlebt.

Wichtig ist, über solche Fragen während der Schwangerschaft schon frühzeitig zu sprechen. Eine gute Freundin, vertraute Verwandte oder eine professionelle Doula können die Frau als Geburtsbegleiterinnen in beiden Fällen eventuell wirksamer unterstützen, als es dem Partner möglich wäre.

Wichtig: Geburtspartner – der werdende Vater ebenso wie jeder andere Geburtsbegleiter – haben das Recht, jederzeit den Geburtsraum zu verlassen, wenn sie sich überfordert fühlen und deshalb selbst in Schwierigkeiten sind. Auch dieser Punkt sollte im Vorfeld klar und deutlich angesprochen werden.

Gut informiert sein – für eine wirksame Geburtsbegleitung unverzichtbar

Erfahrene Geburtshelfer wissen, dass Männer während der Geburt für ihre Partnerin eine wichtige Stütze sind, wenn sie alle Vorgänge rund um die Geburt so gut wie möglich kennen: Was geschieht während der einzelnen Phasen der Geburt? Was geschieht dabei mit der Partnerin? Wie lassen sich Wehenschmerzen wirksam lindern?

Welche Geburtspositionen und Atemtechniken gibt es? Wann kommen eventuelle Geburtshilfsmittel – Geburtszange oder Saugglocke – zum Einsatz. Was passiert, wenn plötzlich doch ein Kaiserschnitt erforderlich wird? Am besten lassen sich diese Fragen beantworten, wenn der werdende Vater zusammen mit seiner Partnerin einen Geburtsvorbereitungskurs besucht, bei vorbereitenden Gesprächen mit Hebamme und Arzt dabei ist und sich auch mit anderen Vätern austauscht.

Viele Männer kostet dies zumindest anfangs Überwindung – aber es lohnt sich: für den „großen Tag“, für das eigene Eingebundensein in den Geburtsprozess und auch für die Partnerschaft. Viele Geburtskliniken und freie Hebammen bieten inzwischen auch Geburtsvorbereitungskurse für Männer an. Für werdende Väter sind sie eine gute Alternative zu gemischten Kursen, in denen ihre speziellen Fragen und ihre persönliche Perspektive oft nur am Rande eine Rolle spielen.

Welche Aufgaben hat der Partner während der Geburt?

Wenn Sie Ihre Partnerin während der Geburt begleiten, besteht ihre wichtigste Aufgabe in intensiver emotionaler Unterstützung – für alle medizinischen Fragen sind die Mitarbeiter von Klinik oder Geburtshaus da. Gleichzeitig sind Sie dabei der „Anwalt“ Ihrer Frau – auch und gerade in Situationen, in der sie sich selber vorrübergehend nicht äußern kann.

Für die Vorbereitung auf diese Rolle ist es optimal, wenn Ihre Partnerin und Sie in den Monaten zuvor einen Geburtsplan geschrieben haben, der alle Wünsche der Schwangeren zu Details der Geburt enthält – dieser ist nicht nur als Orientierung für die Geburtshelfer wichtig, sondern klärt auch viele Ihrer eigenen Fragen.

Im Kreißsaal selbst werden Sie schnell merken, dass niemand – außer Ihrer Partnerin – aktiv etwas von Ihnen verlangt. Sie sind Begleiter und nicht Akteur und sollten sich danach richten, was Ihre Frau von Ihnen möchte. Vielleicht wünscht sie sich einfach ihre körperliche Präsenz, Ihre Hand und die Möglichkeit, sich anzulehnen. Vielleicht bittet sie sie auch, sie bei bestimmten Geburtspositionen zu unterstützen – oder Sie bieten ihr eine solche Hilfe selber an.

Vielleicht benötigt sie etwas zu trinken oder in der Anfangsphase der Geburt auch noch etwas zu essen. Wenn sich Ihre Partnerin zwischen den einzelnen Wehen gut entspannen kann, wird die Geburt für sie hierdurch beträchtlich leichter – auch hier sind sie als Geburtspartner gefragt: Vielen Frauen tun eine Nackenmassage oder das sogenannte Beckenschaukeln gut:

Dabei liegt die Frau auf der Seite, der Mann sitzt hinter ihr, legt seine Hand auf ihre Hüfte und „schaukelt“ ihr Becken mit kleinen, sanften Bewegungen hin und her. Während der Eröffnungsphase empfinden viele Frauen auch eine Massage ihres Kreuzbeins als erleichternd.

Das Wichtigste für Sie als Geburtsbegleiter ist, dass Sie aufmerksam und offen gegenüber den Wünschen Ihrer Frau sind – und diese bestehen im Kern meist darin, dass Sie während der Geburt einfach an ihrer Seite sind. Und: Haben Sie Vertrauen! Viele Männer stehen den Schmerzen einer Geburt sehr hilflos gegenüber und fürchten, dass ihren Frauen dabei etwas passiert.

Wenn Sie die physiologischen Abläufe während der Geburt verstanden haben, fällt vielleicht auch in dieser Hinsicht eine große Last von Ihnen ab. Auch wenn Ihre Frau durch den Geburtsschmerz sichtbar leidet, vielleicht schreit und weint – machen Sie sich bitte klar: Bei einer Geburt geht es um eine große Anstrengung und vor allem um große Lebenskraft.

Mit der Geburtsklinik sollten Sie schon bei den Vorgesprächen klären, dass Ihre Partnerin, Sie und Ihr Kind unmittelbar nach der Geburt einige Zeit ganz für sich alleine haben. Sie bauen in diesen Minuten die erste feste Bindung als Familie auf, die Sie hoffentlich durch alle späteren Jahre tragen wird. Schön ist, wenn Sie sich in den nächsten Tagen und Wochen so viel Zeit wie möglich für Ihre Partnerin und Ihr Baby nehmen können, damit diese Bindung weiter wachsen kann.

© Igor Mojzes – Fotolia.com

Tipps von Hebamme Christina Altmann
  • Lieber Vater, besprechen Sie sich im Vorfeld mit Ihrer Partnerin, was sie für Wünsche und Vorstellungen an die Geburt/die Klinik/das Geschehen hat: Verstehen Sie sich dann in der Geburts-Situation als ihr Fürsprecher! Viele Frauen sind „in ihrer eigenen Welt“ und sind froh, dass Sie als Vertrauter sie vertreten!
  • Führen Sie vor der Geburt mit Ihrer Hebamme Gespräche über sog. Routineabläufe, Standards und Dinge, die Sie beschäftigen, was die Geburt betrifft. Information ist alles!
Hebammengeprüft

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

Christina Altmann

Hebamme Christina AltmanChristina Altmann hat 2011 am UKSH in Kiel ihr Hebammenexamen abgelegt. Sie war unter anderem als freiberufliche Hebamme tätig und teilt ihr Wissen seit Jahren im Internet sowie bei Vorträgen.

Alle Beiträge des Experten

Unsere Ratgeber:

Noch vor 30 Jahren endete die Rolle von Vätern bei der Geburt fast immer an der Tür des Kreißsaals. Doch heute begleiten die meisten Väter ihre Partnerin bei der Geburt. Eine gute Vorbereitung darauf bietet Sicherheit.


Offenheit – auch über Unsicherheiten und Bedenken

Viele Männer fühlen sich von vornherein verpflichtet, bei der Geburt dabei zu sein – von „modernen Vätern“ wird dies heute geradezu erwartet. Die meisten Männer stellen sich dieser Erfahrung am Ende trotzdem ganz bewusst – und zwar nicht, weil sie irgendeine Erwartungshaltung erfüllen wollen oder müssen, sondern weil sie sich selber wünschen, ihrer Partnerin in diesen existentiellen Stunden beizustehen.

Wenn sich ein Vater – nach umfassender Information, was bei einer Geburt im einzelnen geschieht – trotzdem gegen seine Anwesenheit dabei entscheidet, sollte die Frau dafür jedoch Verständnis haben. Im Kreißsaal wird er ihr dann vermutlich keine Hilfe sein. Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Eine Geburt ist einer der intimsten Momente im Leben einer Frau – und nicht alle Frauen wünschen sich, dass ihr Partner sie dabei erlebt.

Wichtig ist, über solche Fragen während der Schwangerschaft schon frühzeitig zu sprechen. Eine gute Freundin, vertraute Verwandte oder eine professionelle Doula können die Frau als Geburtsbegleiterinnen in beiden Fällen eventuell wirksamer unterstützen, als es dem Partner möglich wäre.

Wichtig: Geburtspartner – der werdende Vater ebenso wie jeder andere Geburtsbegleiter – haben das Recht, jederzeit den Geburtsraum zu verlassen, wenn sie sich überfordert fühlen und deshalb selbst in Schwierigkeiten sind. Auch dieser Punkt sollte im Vorfeld klar und deutlich angesprochen werden.

Gut informiert sein – für eine wirksame Geburtsbegleitung unverzichtbar

Erfahrene Geburtshelfer wissen, dass Männer während der Geburt für ihre Partnerin eine wichtige Stütze sind, wenn sie alle Vorgänge rund um die Geburt so gut wie möglich kennen: Was geschieht während der einzelnen Phasen der Geburt? Was geschieht dabei mit der Partnerin? Wie lassen sich Wehenschmerzen wirksam lindern?

Welche Geburtspositionen und Atemtechniken gibt es? Wann kommen eventuelle Geburtshilfsmittel – Geburtszange oder Saugglocke – zum Einsatz. Was passiert, wenn plötzlich doch ein Kaiserschnitt erforderlich wird? Am besten lassen sich diese Fragen beantworten, wenn der werdende Vater zusammen mit seiner Partnerin einen Geburtsvorbereitungskurs besucht, bei vorbereitenden Gesprächen mit Hebamme und Arzt dabei ist und sich auch mit anderen Vätern austauscht.

Viele Männer kostet dies zumindest anfangs Überwindung – aber es lohnt sich: für den „großen Tag“, für das eigene Eingebundensein in den Geburtsprozess und auch für die Partnerschaft. Viele Geburtskliniken und freie Hebammen bieten inzwischen auch Geburtsvorbereitungskurse für Männer an. Für werdende Väter sind sie eine gute Alternative zu gemischten Kursen, in denen ihre speziellen Fragen und ihre persönliche Perspektive oft nur am Rande eine Rolle spielen.

Welche Aufgaben hat der Partner während der Geburt?

Wenn Sie Ihre Partnerin während der Geburt begleiten, besteht ihre wichtigste Aufgabe in intensiver emotionaler Unterstützung – für alle medizinischen Fragen sind die Mitarbeiter von Klinik oder Geburtshaus da. Gleichzeitig sind Sie dabei der „Anwalt“ Ihrer Frau – auch und gerade in Situationen, in der sie sich selber vorrübergehend nicht äußern kann.

Für die Vorbereitung auf diese Rolle ist es optimal, wenn Ihre Partnerin und Sie in den Monaten zuvor einen Geburtsplan geschrieben haben, der alle Wünsche der Schwangeren zu Details der Geburt enthält – dieser ist nicht nur als Orientierung für die Geburtshelfer wichtig, sondern klärt auch viele Ihrer eigenen Fragen.

Im Kreißsaal selbst werden Sie schnell merken, dass niemand – außer Ihrer Partnerin – aktiv etwas von Ihnen verlangt. Sie sind Begleiter und nicht Akteur und sollten sich danach richten, was Ihre Frau von Ihnen möchte. Vielleicht wünscht sie sich einfach ihre körperliche Präsenz, Ihre Hand und die Möglichkeit, sich anzulehnen. Vielleicht bittet sie sie auch, sie bei bestimmten Geburtspositionen zu unterstützen – oder Sie bieten ihr eine solche Hilfe selber an.

Vielleicht benötigt sie etwas zu trinken oder in der Anfangsphase der Geburt auch noch etwas zu essen. Wenn sich Ihre Partnerin zwischen den einzelnen Wehen gut entspannen kann, wird die Geburt für sie hierdurch beträchtlich leichter – auch hier sind sie als Geburtspartner gefragt: Vielen Frauen tun eine Nackenmassage oder das sogenannte Beckenschaukeln gut:

Dabei liegt die Frau auf der Seite, der Mann sitzt hinter ihr, legt seine Hand auf ihre Hüfte und „schaukelt“ ihr Becken mit kleinen, sanften Bewegungen hin und her. Während der Eröffnungsphase empfinden viele Frauen auch eine Massage ihres Kreuzbeins als erleichternd.

Das Wichtigste für Sie als Geburtsbegleiter ist, dass Sie aufmerksam und offen gegenüber den Wünschen Ihrer Frau sind – und diese bestehen im Kern meist darin, dass Sie während der Geburt einfach an ihrer Seite sind. Und: Haben Sie Vertrauen! Viele Männer stehen den Schmerzen einer Geburt sehr hilflos gegenüber und fürchten, dass ihren Frauen dabei etwas passiert.

Wenn Sie die physiologischen Abläufe während der Geburt verstanden haben, fällt vielleicht auch in dieser Hinsicht eine große Last von Ihnen ab. Auch wenn Ihre Frau durch den Geburtsschmerz sichtbar leidet, vielleicht schreit und weint – machen Sie sich bitte klar: Bei einer Geburt geht es um eine große Anstrengung und vor allem um große Lebenskraft.

Mit der Geburtsklinik sollten Sie schon bei den Vorgesprächen klären, dass Ihre Partnerin, Sie und Ihr Kind unmittelbar nach der Geburt einige Zeit ganz für sich alleine haben. Sie bauen in diesen Minuten die erste feste Bindung als Familie auf, die Sie hoffentlich durch alle späteren Jahre tragen wird. Schön ist, wenn Sie sich in den nächsten Tagen und Wochen so viel Zeit wie möglich für Ihre Partnerin und Ihr Baby nehmen können, damit diese Bindung weiter wachsen kann.

© Igor Mojzes – Fotolia.com

Tipps von Hebamme Christina Altmann
  • Lieber Vater, besprechen Sie sich im Vorfeld mit Ihrer Partnerin, was sie für Wünsche und Vorstellungen an die Geburt/die Klinik/das Geschehen hat: Verstehen Sie sich dann in der Geburts-Situation als ihr Fürsprecher! Viele Frauen sind „in ihrer eigenen Welt“ und sind froh, dass Sie als Vertrauter sie vertreten!
  • Führen Sie vor der Geburt mit Ihrer Hebamme Gespräche über sog. Routineabläufe, Standards und Dinge, die Sie beschäftigen, was die Geburt betrifft. Information ist alles!
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