Gedeihstörung bei Säuglingen und Kindern
 Gedeihstörung bei Säuglingen und Kindern
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Hebammengeprüft

Gedeihstörung bei Säuglingen und Kindern

Die Ursache liegt meist in der Unterversorgung - Ein Baby oder Kleinkind, das in der Entwicklung deutlich hinter anderen zurückbleibt, könnte unter einer Gedeihstörung leiden. In erster Linie wird dies aufgrund einer geringen Gewichtszunahme und Größe festgestellt, daneben kann aber auch die weitere Entwicklung beeinträchtigt sein.

Ina Ilmer - Hebamme & Mutter
von Ina Ilmer
Hebamme & Mutter
Do, 06/12/2014 - 15:30 Thu, 07/25/2019 - 16:47

Anhaltspunkte für eine Gedeihstörung

Die Gewichtszunahme beträgt in den ersten Lebensmonaten durchschnittlich etwa 200 Gramm in der Woche.

Wird dieser Richtwert über einen längeren Zeitraum deutlich unterschritten, kann das auf eine Gedeihstörung hinweisen. Eine Gedeihstörung ist in diesem Sinne also keine Diagnose, sondern eher ein umschreibender Begriff.

Neben der geringen Gewichtszunahme sind betroffene Babys häufig unterdurchschnittlich klein, gelegentlich wird eine außergewöhnlich trockene, bisweilen faltige Haut festgestellt. Eine Gedeihstörung kann bei Kleinkindern außerdem motorische, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörungen zur Folge haben.

Mögliche Ursachen

Eine Gedeihstörung ist keine Krankheit. Die Ursache liegt meist in einer Unterversorgung und dem daraus resultierenden Mangel an Nährstoffen und tritt daher gehäuft in Entwicklungsländern auf, ist aber auch in entwickelten Ländern nicht selten. Babys, die gestillt werden, sind weniger häufig betroffen:

Sie erhalten über die Muttermilch alle erforderlichen Nährstoffe. Eher handelt es sich um Kinder, die in den ersten Lebensmonaten mit der falschen oder zu wenig Ersatznahrung versorgt werden. Es können allerdings - auch von der Mutter unbemerkt - Stillprobleme auftreten, die die Entwicklung beeinträchtigen:

Ein Nährstoffmangel der Mutter wirkt sich auf die Qualität der Milch aus, gelegentlich wird zu wenig Milch produziert, einige Babys haben einen schwachen Saugreflex und trinken daher nicht genug. Manch ein Baby schläft einfach beim Stillen ein, auch dann bekommt es oft nicht genug Milch.

Mit dem Abstillen und der Umstellung auf Breinahrung kann es ebenfalls zu Problemen kommen. Das Baby erhält weniger Nährstoffe und Energie mit der Milch, nimmt aber noch nicht ausreichend Brei auf. Die Gewichtszunahme verlangsamt sich dann, was sich auch auf die übrige Entwicklung auswirken kann. Bei Kleinkindern ist die Ursache häufig eine Fehlernährung.

Natürlich können auch Krankheiten die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen. Hat Ihr Kind aufgrund einer Erkrankung zu wenig Appetit oder leidet es längere Zeit unter Durchfall, sind Mangelerscheinungen die Folge, was sich auf die Entwicklung auswirkt. Die Gedeihstörung kann auch als Nebenerscheinung von neurologischen Erkrankungen auftreten, wie zum Beispiel bei einer Zerebralparese.

Auch psychische Probleme können den Appetit oder die Nährstoffverwertung beeinträchtigen, beispielsweise wenn ein Kind emotional vernachlässigt wird.

Diagnose und Bestimmung des Ausmaßes der Gedeihstörung

Hier ist zu beachten, dass die Gedeihstörung keine alleinstehende Erkrankung ist, sondern als Symptom einer Grunderkrankung verstanden werden kann. So kann eine Gedeihstörung unter anderem Folge von unzureichender Nahrungsaufnahme, wie zum Bespiel bei chronischem Erbrechen oder Schluckstörungen, eines erhöhten Energiebedarfs oder einer Malabsorption, einer gestörten Nährstoffaufnahme im Darm, sein. 

Die Bestimmung des unzulänglichen Ernährungszustandes erfolgt in der Regel frühzeitig durch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Der Kinderarzt wiegt Ihr Kind und misst die Größe sowie den Kopfumfang.

Die Werte vergleicht er mit der sogenannten Perzentilkurve. Dabei handelt es sich um statistische Durchschnittswerte, wobei Abweichungen bis zu einem gewissen Prozentsatz als normal gelten. Weiter müssen auch die Messgrößen von Geschwistern und Eltern berücksichtigt werden müssen. Liegt die Entwicklungskurve Ihres Kindes unter den Normalwerten, deutet das auf eine Gedeihstörung hin.

Behandlungsmaßnahmen

Vor der Einleitung einer Behandlung ist zu klären, was genau die Entwicklung des Kindes beeinträchtigt. Wenn es sich um Stillprobleme handelt, ist es unter Umständen möglich, eine erhöhte Milchproduktion anzuregen. Hebammen und Ärzte können diesbezüglich Tipps geben. Andernfalls muss die Nahrung überprüft und angepasst werden.

Gegebenenfalls wird einer stillenden Mutter PRE-Nahrung bzw. bei Frühgeborenen hochkalorische Nahrung empfohlen.

Ist ein Kleinkind von einer Gedeihstörung betroffen, wird ebenfalls die Ernährung überprüft. Gelegentlich kommt es vor, dass diese an sich ausgewogen wäre, das Kind aber einen sehr hohen Bewegungsdrang hat, wodurch sich auch der Nährstoff und Energiebedarf erhöht. Dann sind besonders hochkalorische Nahrungsmittel wichtig, um die Versorgung sicherzustellen.

Wird eine Krankheit als Ursache festgestellt, muss diese natürlich behandelt werden.

Im Anschluss sind wiederum regelmäßige Gewichts- und Größenkontrollen wichtig, um den weiteren Verlauf zu beobachten. Die Entwicklungskurve sollte sich im Laufe der Zeit an die Normalwerte annähern.

Wird eine Gedeihstörung zu spät oder nicht erkannt und therapiert, können sich Folgeerkrankungen einstellen. Insbesondere das Immunsystem leidet darunter, wodurch die Infektionsanfälligkeit steigt.

Vorbeugende Maßnahmen

Idealerweise informieren Sie sich bereits vor der Geburt Ihres Kindes ausführlich zum Thema Stillen und dem Nährstoffbedarf des Babys.

Auch mit dem Zeitraum der Umstellung auf Brei sollten Sie sich vorab befassen. Die beste Methode, einer Gedeihstörung vorzubeugen, ist die stetige ausreichende Versorgung Ihres Kindes mit Nährstoffen und Energie.

Weiterhin gilt es natürlich, die Entwicklung zu beobachten und die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Je früher eine sich anbahnende Störung festgestellt wird, umso schneller können Sie dagegensteuern.

Vor allem beim ersten Baby kann es sinnvoll sein, wenn Sie sich notieren, wie oft Sie es stillen oder ihm das Fläschchen geben und wie oft Sie die Windeln wechseln müssen. Die Aufzeichnungen können Sie Ihrer Hebamme zeigen, um sich gegebenenfalls von ihr beraten zu lassen.

Sollte es dennoch zu einer Verlangsamung der Entwicklung kommen, helfen derartige Notizen außerdem dem Kinderarzt bei der Ursachenforschung.

© Oksana Kuzmina - Fotolia.com

Fazit
Eine Gedeihstörung kann unterschiedliche Ursachen haben, lässt sich aber im Normalfall gut behandeln und schnell beheben. Mögliche Symptome sind:
Untergewicht
verlangsamtes Wachstum
trockene Haut
motorische Entwicklungsstörungen
sprachliche Entwicklungsstörungen
Tipps von Hebamme Ina
  • Lassen Sie sich im Wochenbett von einer Hebamme betreuen. Sie wiegt und kontrolliert die Gewichtzunahme zwischen den U-Untersuchungen beim Kinderarzt und leitet sie bei Bedarf an einen Kinderarzt weiter. Das gibt Ihnen Sicherheit und stärkt sie in Ihrer Stillbeziehung.
  • Bei nicht gestillten Kindern werden Sie natürlich auch zur richtigen Ersatznahrung beraten und Ihr Baby wird auch hier regelmäßig gewogen.
  • Achten Sie auf eine regelmäßige Urinausscheidung Ihres Babys- 6-8 nasse volle Windeln sind ein Hinweis auf eine ausreichende Milchzufuhr.
  • Außerdem sollte der Stuhlgang ihres neugeborenen Babys nach dem Milcheinschuss eine goldgelbe-senfartige Farbe aufweisen.
  • Bei nicht gestillten Kindern kann die Farbe des Stuhls teilweise variieren- fragen sie hierzu Ihre betreuende Hebamme oder Ihren Kinderarzt.
Hebammengeprüft

Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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