Fester Tagesablauf mit Baby - sinnvoll oder nicht?
Fester Tagesablauf mit Baby - sinnvoll oder nicht?
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Fester Tagesablauf mit Baby - sinnvoll oder nicht?

Kinder entwickeln einen eigenen Rhythmus - Nach der Geburt bestimmt das Baby das Geschehen, ein fester Tagesablauf ist kaum möglich. Trotz aller Unregelmäßigkeiten können Sie es schon früh dabei unterstützen.

Nicole Ulrich
von Nicole Ulrich
Kindertherapeutin
Mi, 10/29/2014 - 08:14 Tue, 07/23/2019 - 10:12

Fester Tagesablauf mit Baby - wie geht das?

Die Bedürfnisse Ihres Babys stehen zweifelsfrei im Vordergrund. Wenn es weint, sind Sie gefordert, wenn es müde ist, fallen einfach die Äuglein zu, wenn es Hunger hat, benötigt es Nahrung. Dabei spielt es keine Rolle, ob Tag oder Nacht ist, ob Sie selbst müde sind oder gerade etwas anderes vorhatten.

Noch entwickelt das Baby seine Sinne, lernt die Welt außerhalb des Mutterleibs kennen, es weiß lediglich instinktiv um seine Bedürfnisse. Nach diesen müssen Sie sich richten. Von Anfang an können Sie aber selbst einen Tag-Nacht-Rhythmus einführen: Am Tag geht es lebhafter zu, Ihr Kind erhält aktive Aufmerksamkeit, in den Nächten läuft hingegen alles ganz ruhig ab.

Selbstverständlich benötigt es auch tagsüber ruhige Zeiten und muss schlafen. Die normalen Taggeräusche müssen allerdings nicht völlig abgestellt und der Raum nicht ganz verdunkelt werden. Legen Sie es abends ins Bett, ist eine dunklere und möglichst geräuscharme Umgebung sinnvoll. Wacht es nachts auf, benötigt es Ihre Nähe und Fürsorge, Sie müssen es aber nicht bespaßen, sollten Hektik vermeiden - Sie agieren quasi auf Sparflamme.

So gewöhnt sich Ihr Kind von Anfang an daran, dass es verschiedene Phasen gibt, die mit der Helligkeit und Geräuschkulisse variieren. Es lernt so, dass es einen Unterschied zwischen Tag und Nacht gibt, auch, wenn es diesen natürlich noch nicht erfassen kann.

Routine hilft bei der Orientierung

Für feste Zeiten bezüglich Essen, Schlafen und andere Dinge ist es in den ersten Lebensmonaten zu früh. Eine gewisse Routine können Sie trotzdem einführen. Beobachten Sie Ihr Kind, richten Sie sich nach seinem Rhythmus und seinen Belangen: Wann hat es Hunger, wann ist es müde, wann ist es besonders aufmerksam, wann beunruhigt und wie äußert es das?

Von einem festen Tagesablauf sind Sie damit noch weit entfernt, Sie können aber zu den unterschiedlichen Handlungen kleine Rituale einbauen. Im Laufe der Zeit lernt Ihr Baby so, was es unter diesen oder jenen Umständen erwartet. Es erhält eine Orientierungshilfe, die ihm Sicherheit gibt.

Das Füttern können Sie zum Beispiel immer mit einem festen Platz und bestimmten Worten verbinden. Beim Wickeln können Sie mit den kleinen Füßchen und Händchen spielen, bevor Sie sich der gelegentlich von Babys nicht so geliebten Angelegenheit widmen. Abends gönnen Sie ihm ein ruhiges Bad, bevor Sie es ins Bettchen bringen. Anschließend kann ein Schlaflied folgen, auch die leisen Töne einer Spieluhr können beruhigend wirken, so dass sich die kleinen Augen bereitwilliger schließen.

Es gibt also bestimmte Abläufe, wenn Sie sich um die - noch unregelmäßigen - Bedürfnisse Ihres Babys kümmern. Auf diese verlässlichen Abläufe kann es sich zunächst einstellen, bis Sie, dem Entwicklungsstand folgend, immer mehr Struktur in den Tag bringen.

Kinder entwickeln einen eigenen Rhythmus

Die Intervalle, in denen Ihr Baby Hunger hat, werden ebenso größer wie die der vollen Windeln. Das geschieht im Laufe der Entwicklung von ganz alleine. Bereits zwischen dem zweiten und dritten Lebensmonat zeigen sich bei einigen Kindern ungefähre Abstände, in denen sie nach Nahrung verlangen. In den folgenden Monaten pendelt sich oft auch der Schlafrhythmus immer mehr ein.

Haben Sie von Anfang an kleine Rituale eingebaut, fällt es Ihnen nun umso leichter, die Bedürfnisse Ihres Babys immer mehr in einen strukturierteren Tagesablauf zu integrieren. Kennen Sie die Zeiten, zu denen sich Hunger oder Müdigkeit einstellt, können Sie Ihre anderweitigen Tätigkeiten ein wenig darauf abstimmen und sind vorbereitet, wenn das allabendliche Schlafritual ansteht.

Mit einem strikten Zeitplan ist zunächst natürlich nicht zu rechnen, auch Babys haben ihre Befindlichkeiten. Insbesondere während der Entwicklungsschübe oder wenn sich die ersten Zähne bemerkbar machen, können alle Pläne durcheinander geworfen werden.

Sobald Ihr Kind Beikost erhält, können Sie anfangen, feste Zeiten für die Mahlzeiten einzuplanen. Der heranwachsende Körper stellt sich darauf ein - nicht von heute auf morgen und die Entwicklung verläuft bei jedem Kind individuell. Stellen Sie sich daher auf einen groben Zeitrahmen für die Essenszeiten, Schlafens- und Wachphasen ein. Zunächst ist ein verlässlicher Ablauf für Ihr Kind wichtiger als die Uhrzeit. Die Grundbedürfnisse Ihres Babys sind also die Basis für Ihre Routine, bis sich die Zeiten schließlich einpendeln.

Vor- und Nachteile

Von einem festen Tagesablauf kann die ganze Familie profitieren. Ihr Kind gewöhnt sich daran: Der Körper stellt sich darauf ein, während sich Ihr Kind in diesem sicheren Rahmen ganz dem Verarbeiten all der vielen Eindrücke seiner Umgebung widmen kann.

Eltern können besser planen, die Notwendigkeiten des Tages organisieren und sich zwischendurch auch mal Zeit nehmen, zu entspannen. Geschwisterkinder, die vielleicht bereits in den Kindergarten gehen, fühlen sich nicht benachteiligt, wenn für alle bestimmte Regeln gelten. Gemeinsame Essenszeiten bieten Gelegenheit, Zeit mit der Familie zu verbringen und während des täglichen Mittagsschlafs des Babys können Sie sich ganz dem Geschwisterkind widmen.

Eine feste Struktur birgt allerdings auch Nachteile, nämlich immer dann, wenn sich die Bedürfnisse des Babys oder eines anderen Familienmitglieds ändern oder etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt. Die innere Uhr Ihres Kindes sagt, es ist Zeit zum Essen, Spazierengehen, Spielen oder Schlafen, aber es kommt alles ganz anders. Das führt zu Verwirrung. Wiederum können bekannte Rituale bei den verschiedenen Aktivitäten ihm Sicherheit geben, auch, wenn sich die Zeiten einmal verschieben.

Trotz einer eingeführten Tagesstruktur sollten Sie außerdem flexibel bleiben: Beobachten Sie Ihr Kind weiterhin und passen Sie bei Bedarf die Routine an. Während ein Kind beispielsweise mit etwa vier Monaten seinen eigenen Schlafrhythmus findet, können dennoch verschiedene Reize des Tages das Einschlafen bisweilen erschweren, da das Gehirn mit deren Verarbeitung beschäftigt ist. Mit sechs Monaten klappt das mit den festen Schlafenszeiten schon besser. Mit etwa einem Jahr schließlich sind viele Kinder in der Lage, an einem festen Tagesablauf teilzunehmen.

Sie können also immer wieder gefordert sein, den Tagesablauf anzupassen. Nach einigen Tagen neuer Routine haben sich meist alle auf den veränderten Rhythmus eingestellt. Ein fester Tagesablauf hilft dem Baby, sich auf verschiedene Ereignisse einzustellen und sich dem Tag-Nacht-Rhythmus anzupassen, Routine vermittelt ihm Sicherheit.

© evgenyatamanenko - Fotolia.com

Fazit
von Anfang an Rituale einführen
Rhythmus den Grundbedürfnissen des Babys anpassen
flexible Zeitrahmen setzen
Zeiten und Abläufe gegebenenfalls anpassen
ganze Familie einbeziehen
Tipps von Hebamme Ina Ilmer
  • Setzen sie sich nicht unter Druck- Planung ist mit einem Baby nur schwer möglich. Versuchen sie feste Termine wenn möglich zu vermeiden und genießen Sie entspannt die erste Zeit mit Ihrem Baby.
  • Verändern Sie bewusst abends die Gegebenheiten für Ihr Baby – ziehen Sie ihm einen Schlafanzug an, beginnen Sie bewusst schon früh mit Ritualen wie z.B. einer entspannten Babymassage zum ins Bett gehen.
  • Desweiteren empfehle ich, das Baby spät am Abend zu wickeln und dann erst wieder in den frühen Morgenstunden.
  • Bei einem wunden Po, Unwohlsein des Babys oder wenn die Kleidung nass geworden ist natürlich öfters.
  • Auch bei der Nahrungsaufnahme ist es wichtig, diese so ruhig wie möglich zu gestalten- stillen Sie im Liegen und verwenden sie ein gedimmtes Licht.
  • Füttern Sie mit der Flasche, versuchen Sie, die Portionen schon vorzubereiten und im Schlafzimmer zu verabreichen.
  • Es ist schwierig für ein Baby, sich an einen Tag-Nachtrhythmus zu gewöhnen, wenn wir tagsüber dasselbe machen wie nachts.
Tipps von Kindertherapeutin Nicole Ulrich
  • Lassen Sie sich nicht dadurch verunsichern, wie es andere mit dem Schlafen handhaben. Sie kennen sich, Ihre Familie und Ihr Kind am besten
  • Ihren Rhythmus werden Sie ganz intuitiv finden
  • Routinen helfen, da Vorhersehbarkeit wichtig ist und sich jeder in der Familie darauf verlassen kann
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Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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