Baby-led Weaning (BLW)
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Baby-led Weaning (BLW)

Mit Essen wird nicht gespielt! Oder? - Stillen nach Bedarf ist für Säuglinge während der ersten Lebensmonate die optimale Ernährungsform. Doch wie geht es weiter, wenn die Zeit für das Füttern fester Nahrung gekommen ist? Immer mehr Eltern gehen den Beikoststart spielerisch an und wenden die Baby-led Weaning-Methode an: Verzicht auf pürierte Babybreie und die Kinder dürfen selbst entscheiden, was und wie viel sie essen möchten. Dabei stillt die Mutter nach Bedarf so lange weiter, bis das Kind keine Muttermilch mehr möchte.

windeln.de Redaktion
von windeln.de Redaktion
Fr, 12/06/2013 - 16:06 Fri, 02/08/2019 - 15:37

Baby-led Weaning als Alternative zur klassischen Beikosteinführung

Die erstmals von der britischen Kinderkrankenschwester Gill Rapley publizierte Methode Baby-led Weaning (BLW) heißt übersetzt so viel wie "vom Baby gesteuerte Entwöhnung". Es geht darum, dass es statt Brei von Anfang an normale Familienkost gibt. Auslöser für diese Art der Gewöhnung an feste Nahrung waren Beobachtungen, dass die Kleinsten etwa ab ihrem sechsten Lebensmonat von sich aus großes Interesse am Essen zeigen. Die Befürworter von BLW sehen dabei das Stillen als ideale Einleitung. Gestillte Kinder regulieren ihre Nahrungsmenge selbst, weshalb es nicht möglich ist, ein gestilltes Baby zu überfüttern.

Sobald das Kind Interesse zeigt, bekommt es geeignetes Essen vom Familientisch in die Hand. Es isst nur das, was es sich selbst in den Mund steckt, zerkleinert und schluckt. Die Mutter stillt weiterhin nach Bedarf, füttert jedoch nicht aktiv. Das Baby bestimmt beim Baby-led Weaning also allein, wann, in welchen Mengen und in welchem Tempo der Übergang von der ausschließlichen Muttermilchernährung zu fester Nahrung stattfindet.

Ohne Zähne kauen?

Zunächst ist natürlich Muttermilch Babys wichtigste Nahrung. Sobald es auf dem Hochstuhl oder dem Schoß aufrecht sitzen kann, wird es alle Nahrungsmittel, die es greifen kann, erst einmal sehr genau untersuchen und damit "experimentieren". Das Baby wird daran lutschen und eher zufällig etwas herunterschlucken. Um satt zu werden, bedarf es noch viel Zeit. Deshalb ist auch das Stillen nach Bedarf so wichtig.

Anfangs bieten sich folgende Lebensmittel besonders an:

  • Weiches Obst und Gemüse (harte Sorten besser dünsten). Die Stückchen sollten so groß sein, dass sie das Baby gut fassen und in der Faust halten kann.
  • Suppe, Joghurt, Pudding & Co. für die ersten Versuche mit dem Löffel.
  • Wasser oder milder Tee, um das "Aus dem Becher trinken" zu üben.

Die Kleinen sind durchaus in der Lage, feste, weiche Lebensmittel auch ohne Zähne ausreichend zu zerkleinern. Es wird gesaugt, gelutscht, im Mund Hin und Her geschoben und größere Brocken werden bereits erfolgreich zermalmt. Das kann natürlich ein wenig länger dauern, weshalb die Eltern viel Geduld aufbringen sollten.

Außerdem ist es ganz wichtig, das Kind niemals unbeaufsichtigt zu lassen, denn es wird sich sicherlich ab und zu verschlucken. Dann wird reflexartig gehustet und das Stückchen, was sich soeben noch im Mund befand, fliegt in hohem Bogen wieder heraus. Befürworter des Baby-led Weaning gehen jedoch davon aus, dass sich Babys öfter verschlucken, wenn sie beim klassischen Start von Beikost den Löffel mit Brei einfach in den Mund geschoben bekommen.

BLW - wichtige Regeln:

  • Auch wenn das Kind über längere Zeit insgesamt nur sehr wenig feste Nahrung zu sich nimmt: keine Tricks, kein Zwang! Solange es voll gestillt wird, holt sich das Kind, was es braucht.
  • Das Kind entscheidet über Tempo und Menge. Hektik und Eile sind fehl am Platz.
  • Sollte das Baby Brei mögen, darf es Brei essen. Wenn es "Fingerfood" mag, auch gut. Eine Mischform ist ebenfalls möglich.
  • Bitte das Baby niemals unbeaufsichtigt lassen, während es Lebensmittel in der Hand hält oder im Mund hat.

Tipp: In der ersten Zeit sieht es nicht nur auf dem Tisch, sondern auch daneben und darunter oft aus, wie auf einem Schlachtfeld. Sofern kein pflegeleichter Fußboden vorhanden ist, hilft eine ausgebreitete Plastikplane unter dem Hochstühlchen, um die "Schäden" ein wenig zu begrenzen.

Welche Vorteile hat Baby-led Weaning?

  • Weder beim Kind, noch bei den Eltern entsteht Zwang oder Druck.
  • Die Familie kann gemeinsam essen. Es ist nicht einer ausschließlich mit Füttern beschäftigt.
  • Das Kind lernt Nahrungsmittel von Beginn an in seiner ursprünglichen Form und mit unverfälschtem Geschmack kennen.
  • Das Kind entwickelt ein optimales Sättigungsgefühl, was erwiesenermaßen späteres Übergewicht vorbeugt.
  • Die Koordination und Motorik wird bereits sehr zeitig trainiert.
  • Der Prozess des Abstillens verläuft allmählich und natürlich.

© Oksana Kuzmina - Fotolia.com

Fazit
Es geht auch ohne Brei.
Die größte Hürde ist zumeist die Unsicherheit der Eltern.
Stillen nach Bedarf ist für Baby-led Weaning Grundvoraussetzung.
Die Umstellungsphase von reiner Muttermilchnahrung auf feste Kost nimmt in der Regel mehrere Monate in Anspruch.
Bis das Baby von fester Kost satt wird, ist viel Geduld und Gelassenheit notwendig.
Dem gegenüber stehen jedoch viele Vorteile. Jede Familie muss letztendlich selbst entscheiden, ob sie den klassischen Weg der Beikosteinführung geht oder BLW ausprobieren möchte.
Hebammentipps von Ina Ilmer
  • Spezielle Fruchtsauger wie z.B der Rotho Babydesign Fruchtsauger, eignen sich toll, um dem Baby Frucht- und Gemüsestücke anzubieten, ohne Angst haben zu müssen, dass diese vom Baby verschluckt werden können.
  • Muttermilch bleibt das wichtigste Nahrungsmittel im ersten Lebensjahr. Beikost dient nicht dazu, das Baby satt zu machen, sondern sollte als Entdeckung von Neuem dienen. Vertrauen Sie Ihrem Körper, die Muttermilch passt sich dem Alter Ihres Babys perfekt an.

Kommentare 10 Kommentare

15.05.2017

Hebamme Ina Ilmer

vielen Dank für Ihre Frage. Wenn das Essen schon so gut klappt, würde ich nicht damit aufhören. Stillen Sie regelmäßig, bieten Sie ihrem Baby auch nach der Mahlzeit noch die Brust an, wenn Sie das Gefühl haben die Sättigung Ihres Babys ist nicht ausreichend. Mandelmus lässt sich gut kombinieren mit einem Getreidebrei oder auch mal ein Brot mit Avocado als Aufstrich zum Abendessen. Viele Grüße, Hebamme Ina Ilmer

04.05.2017

Jura

Hallo! Unser bald 9monatiger Sohn verweigert es ebenso etwas in den Mund geschoben zu bekommen/Brei; deshalb BLW. Allerdings schläft er seit der Einführung/dem Versuch ihm Brei zu geben (ca 3 Monate) nicht mehr durch (vorher 6-8 Stunden am Stück!). Er wacht teilweise in "schlimmen" Fällen alle 30 Minuten auf. Welche Lebensmittel wären denn (evtl mind. für den Abend) geeignet? Stilles Wasser trinkt er auch nur aus dem Glas, weil er die Schnabeltasse zerkaut. Bin in Versuchung das Essen eine Weile ganz wegzulassen (was ja wg Allergie-Vorbeugung vermutlich nicht so gut wäre...?) und nur noch zu Stillen. Wissen Sie woran es liegt/ was helfen könnte? DANKE im Voraus!!!

27.03.2017

Hebamme Ina Ilmer

vielen Dank für Ihre Frage. Auch bei Baby-led-weaning rate ich auf eine kindgerechte salzarme Ernährung zu achten. Vielleicht möchten Sie ja eine Mischung zwischen Breikost und Familientisch anbieten. Gerade bei jüngeren Kindern ist das oft sehr gut. Herzliche Grüße und alles Gute, Hebamme Ina Ilmer

15.03.2017

Gülistan

Hallo mein Sohn ist fast 6 monate alt und habe seit 2 Wochen mit Beikost angefangen . Gebe ihm im Moment brei aus den Gläschen. Aber er will immer selbst alles in die Hand nehmen und selber dran saugen und lutschen. Meine Frage wäre,soll ich mit dem BlW anfangen? Das heißt alles was wir essen darf er ja dann auch essen oder? Z.b Reis Nudeln Hackfleisch etc? Egal ob es gewürzt ist oder nicht zum Beispiel Linsensuppe kann ja Blähungen machen bitte um Hilfe. Vielen Dank

20.02.2017

Hebamme Ina Ilmer

vielen Dank für Ihre Frage. Schön, dass Sie sich Gedanken um die geeignete Nahrungsform für Ihr Baby machen. Pre Nahrung und Stillen darf in Bezug auf Baby-led-weaning gleich gehandhabt werden. Mit Pre Nahrung darf das Baby wie mit Muttermilch nach Bedarf gefüttert werden. Außerdem lässt sich dies gut mit der kindgesteuerten Beikosteinführung verbinden. Viel Spaß!

14.02.2017

Hazal

Hallo, Ich wollte gerne wissen wie das Baby led weaning funktioniert wenn das Kind Pre Nahrung bekommt. Ich habe meine Tochter bis zum 3. Lebensmonat gestillt. Danach ging leider nichts mehr. Ich habe dann mit der PRE Nahrung von Aptamil begonnen. 8 Uhr morgens, mittags um 12 Uhr, nachmittags um 16 Uhr und abends noch mal um 19 Uhr trinkt sie ihre Flasche mit 230ml pre. Danach schläft sie durch bis zum nächsten Morgen. Sie ist 5 Monate alt und ich wollte gerne mit Baby led weaning beginnen wenn sie 6 Monate alt. Wie gut funktioniert es mit der PRE Nahrung und den festen Uhrzeiten und der festen Menge? Da ich immer wieder nur gelesen habe das Stillen die Grundvoraussetzung ist und vor allem das Stillen nach Bedarf. Ich bedanke mich im Voraus. Liebe Grüße hazal

07.11.2016

Hebamme Ina Ilmer

vielen Dank für Ihre Frage. Schön, dass Sie ihr Kind stillen. Baby-led weaning scheint die richtige Ernährungsform für ihr Kind zu sein. Milch bleibt das Hauptnahrungsmittel im kompletten ersten Lebensjahr. Die Beikost stellt ein Kennenlernen anderer Nahrungsmittel dar und muss die Muttermilch nicht ersetzen. Sehr häufig habe ich in meiner Betreuung Kinder, die von der Brust zum Schnitzel wechseln. Solange ihr Bub gut gedeiht, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Wenden Sie sich gerne auch an ihre Nachsorgehebamme, die Sie sicher in Beikostfragen beraten kann.

03.11.2016

sarah

Hallo Ich bin am verzweifeln. Mein Sohn acht Einhalb Monate, hat von Anfang an den Brei verweigert. Er hat gewürgt und wollte sich von mir nichts in den Mund stecken lassen. Ich bin dann schnell auf blw gekommen und somit hat er mit sechs Monaten steak, Kartoffeln, Möhren, Zucchini gegessen. Auch Brot fand er super. Dann sind wir in den Urlaub gefahren. Dort hat er 2 Wochen lang alles verweigert. Bekam aber auch seine ersten Zähne. Also hab ich wieder voll gestillt, was ich vorher schon etwas runter geschraubt hatte. Als wir wieder kamen, dauerte es ein paar Tage und er begann wieder Brot zu essen. Das klappt auch echt gut. Er isst morgens eine scheibe und abends. Mittags verweigert er alles. Hin und wieder isst er mal ein paar Nudeln und Erbsen, manchmal geht ein Stück Banane. Was er isst sind Obstquetsch und alles was es so zum knabbern gibt. Ich darf ihm nichts in den Mund stecken und mit dem Löffel bloß nicht kommen. Was mach ich denn, weiter? Ich still noch 3 mal tägl und so ca 3 mal nachts Bin um jeden Ratschlag dankbar

22.02.2014

Christina Altmann

Liebe Birgit, du beschreibst etwas völlig Normales: Der Würgreflex liegt bei Babys ziemlich lange sehr weit vorne auf der Zunge und nicht, wie bei uns, im Rachenbereich. Die Natur hat das so eingerichtet, damit die Kinder davor geschützt sind, Dinge zu schlucken, die sie (noch) nicht vertragen oder überhaupt nicht schlucken sollte. Ein sehr kluger Trick! Ausschalten wirst du den nicht können und damit warten müssen, bis sie mehr essen möchte. Und selbst das ist keine Garantie, dass sie ihren Still-Abstand verlängert. Zwei Stunden sind nicht so ungewöhnlich.... Lies doch mal unseren Artikel über das Familienbett - häufig findet sich so Erleichterung! Viele Grüße Christina Altmann Hebamme bei windeln.de

04.02.2014

Birgit

Meine Tochter (in wenigen Tagen 7 Monate alt) findet Essen sehr interessant und freut sich sehr wenn sie etwas bekommt woran sie lutschen und sabbern kann aber sobald auch nur das kleinste Krümelchen weiter hinten auf ihrer Zunge landet, würgt sie wie verrückt, zum Teil bis zum erbrechen! Das geht jetzt schon ca. 1 Monat so und wirklich essen will sie nichts! Ich stille ansonsten voll! Da sie aber Tag und Nacht alle zwei Stunden kommt bin ich langsam am Ende und verzweifelt! Habt Ihr noch einen Tip wie ich es Ihr noch schmackhafter machen kann ohne Zwang natürlich!

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