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Wenn Babys sprechen lernen: So fördern, helfen & unterstützen Sie

Babyentwicklung: vom Brabbeln zum Sprechen

Wenn Babys sprechen lernen: So fördern, helfen & unterstützen Sie

Schon im Mutterleib hört Ihr Baby Ihre Stimme und somit auch Sprache. Die Bedeutung von Worten zu entschlüsseln und Sprachregeln zu erkennen, das lernt Ihr Baby jedoch erst, wenn es einige Monate auf der Welt ist.

Das erste Wort oder der erste Satz lassen zudem bei einigen Babys vergleichsweise lang auf sich warten. Dabei verstehen die Kleinen oftmals schon längst, wie etwas gesagt wird bzw. später auch, was verschiedene Worte bedeuten.

Die Entwicklungsschritte in der Übersicht

Der aktuelle Stand der Sprachwissenschaft und Entwicklungspsychologie geht davon aus, dass Babys grundsätzlich international zur Welt kommen. Das heißt: In den ersten sechs Monaten brabbeln sie die verschiedensten Laute, bevor sie ihren Tonumfang an die Sprachumgebung anpassen. Sogar taube Babys versuchen sich im ersten halben Lebensjahr in den unterschiedlichsten Geräuschen. Nach dem sechsten Monat nimmt dies bei ihnen, aufgrund der fehlenden Hör- und Spracherfahrungen, ab.

Bis Sie sich angeregt mit Ihrem Kleinen so unterhalten können, dass Sie es problemlos verstehen, vergehen meist 1,5 bis 3 Jahre. Den Beginn einer für die Umwelt wahrnehmbaren Sprachentwicklung prägt das ständige Ausprobieren bestimmter Silben, wie "Bababa" oder "Mamama". Dies geschieht im vierten bis fünften Monat. Vorher fallen oftmals Geräusche, wie "ggrhh" oder "irrrrre", die für viele Mitmenschen einen hohen Unterhaltungsfaktor haben.

Ab dem fünften Monat beobachten viele Eltern, dass Ihr Kind versucht, Geräusche nachzuahmen und sehr viel vor sich hinbrabbelt. Da es oftmals denselben Sprechrhythmus und Tonfall wie das eigene Umfeld nutzt, scheinen die noch unverständlichen Aussagen irgendwie sinnvoll und vertraut. Ähnlich wie beim Krabbeln oder Laufen, sind Entwicklung und Erprobung der eigenen Laute und Sprachfähigkeiten vollkommen individuell.

Während einige Babys einen Monolog nach dem anderen mit sich halten und bestimmte Silben immer wieder mit Freude in unterschiedlichsten Lautstärken und Tonlagen erproben, sind andere zunächst ruhig und überraschen dafür später mit klaren Silben und sogar Wörtern. Das erste Wort können Eltern deshalb in einem relativ großen Zeitfenster erwarten. Bereits mit sieben Monaten oder dann doch erst mit 18 Monaten wird der Zeitpunkt aus entwicklungspsychologischer Sicht dafür festgelegt.

Bis zum zweiten Lebensjahr umfasst der Wortschatz Ihres Kindes etwa 200 Wörter. Rund um den zweiten Geburtstag lernt Ihr Kind über 10 Worte am Tag. Im Zusammenspiel mit der Erkenntnis, dass Ihr Baby sich als eigene Person begreift, zeigt es nun mit Sprache, was ihm gefällt oder nicht zusagt.

Nach dem zweiten Geburtstag sprechen viele Kleinkinder schon Zwei- oder Dreiwortsätze. Schon ein Jahr später sind längere Gespräche, auch mit dem Kind sympathischen Fremden, problemlos möglich. Im Alter von zwei bis drei Jahren sprechen viele Kinder das aus, was sie gerade denken, vorhaben und planen. Dies ist für viele Eltern überaus spannend.

Gute, erfahrene Redner kommen durch größere Kinder oder erwachsene Vorbilder teilweise schon mit drei Jahren darauf, dass es zusätzlich zum Sprechen auch noch eine Schriftsprache gibt. Die kognitive Reife diese anzuwenden und zu verstehen, erreichen die meisten Kinder jedoch erst mit fünf bis sieben Jahren.

Hilfe und Unterstützung beim Sprechen lernen

Auch bei der Sprachentwicklung gilt: Übung macht den Meister. Studien belegen sogar, dass Kinder von Eltern, die schon im Babyalter viel mit Ihrem Kind gesprochen haben, einen höheren IQ besitzen. Gemeinsames Singen wirkt sich ebenfalls positiv auf die Sprachentwicklung aus.

Obwohl es zunächst Spaß macht und richtig ist in den ersten Monaten gemeinsam mit dem Baby die Geräuschvielfalt und die Babysprache zu erkunden, sollten Sie nach und nach immer normaler mit Ihrem Kind reden. Das erleichtert es Ihrem Kind, die Sprache grammatikalisch richtig zu erlernen und einen großen Wortschatz zu entwickeln.

Reden Sie mit Ihrem Baby stets von Angesicht zu Angesicht. Es wird aufmerksam Ihre Lippenbewegungen beobachten, um selbst irgendwann die passenden Worte zu finden und zu formulieren. Lesen Sie viel vor, um den Wortschatz Ihres Babys spielerisch zu erweitern. Radio und Hörspiele hören oder Fernsehen schauen, unterstützen die Sprachentwicklung laut sprachwissenschaftlichen Untersuchungen kaum.

Weiterhin können Sie Ihr Baby beim Sprechen lernen unterstützen, indem Sie:

  • Fingerspiele mit ihm spielen. Dies trainiert einerseits das Sprachverständnis und andererseits die Feinmotorik. Da der Gehirnbereich für die Sprache eng mit dem der Feinmotorik verbunden ist, fördern Sie Ihr Kind so im doppelten Sinne.
  • mit Ihrem Kind Seifenblasen blasen. Hierbei fördern Sie die Mundmuskulatur und Atemtechnik. Schwierige Laute, wie "ssss" oder "sch" lassen sich so leichter aussprechen.
  • Memory- und Quartett-Spiele als Sprachlernspiele nutzen und zu jeder Karte abwechselnd eine kleine Geschichte erzählen (lassen). Etwa ab dem 2. Lebensjahr.
  • Rhythmusspiele. Aktuelle Studien zeigen, Kinder mit einem guten Rhythmusgefühl sind auch sprachlich sehr gut entwickelt. Menschen mit Sprachproblemen weisen oftmals auch Schwierigkeiten auf, einen Rhythmus nachempfinden bzw. mitzuklopfen.
  • Ihr Kind sanft korrigieren, ohne es zu kritisieren. Das erreichen Sie, in dem Sie den Satz in einer Antwort nochmal richtig wiederholen (Beispiel: "Mama, Datze nat gedrugn." -> "Stimmt, die Katze hat getrunken.") Sagen Sie Ihrem Baby zu oft, das es etwas falsch sagt, kann es dazu führen, dass es vorerst nicht mehr sprechen möchte.

Sprachfehler und ihre Gründe

Beginnt Ihr Baby plötzlich zu stottern oder wieder vermehrt sprachliche Fehler macht, sollten Sie nicht gleich beunruhigt sein. Viele Kleinkinder erleben solch eine Phase und lassen sie mit dem nächsten sprachlichen Entwicklungsschub hinter sich. Ist das nicht der Fall, können erfahrene Logopäden helfen, diese Sprachbarriere erfolgreich zu meistern.

In einigen kann auch eine veränderte Situation zu einer verändernden oder sogar verschlechternden Sprachweise führen. Zu ihnen zählen beispielsweise:

  • das plötzliche Zusammensein mit Gleichaltrigen bei der Tagesmutter, bei der sich alle ja plötzlich in "Babysprache" unterhalten und verstehen oder
  • die Geburt eines Geschwisterchen, welche gegebenenfalls dazu führt, dass ein schon großes Baby wieder als ganz kleines wahrgenommen werden möchte.

Auch diese Entwicklungen sind in der Regel nur zeitweilig und erfordern nur etwas Geduld und Liebe bis der nächste sprachliche Fortschritt folgt.

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Tipps von Hebamme Christina Altmann

  • Vergessen Sie nie: Jedes Kind und sein Tempo sind anders! Keines kennt Ratgeber und seine Tabellen!
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Kommentare

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Hallo
Ich möchte gerne wissen, ob das schlimm ist, wenn das Kind erst mit 1,5 Monate fängt an zu reden. Also, blabern hat er schon immer, aber hier meine ich, das nie zuvor sagte so deutlich wie Momentan `Mama, Papa`... Könnte es auf etwas hinausweißen, oder ist es unterschiedlich bei Kinder wer und wie und wann fängt an zu reden?
Agnes
03.05.2017 17:53
umgang mit anderen kindern
glaube du solltest den text nochmal lesen.nicht der umgang mit anderen kindern führt zu ev verschlechterung der Sprache,es liegt wohl eher daran das sich plötzlich alle in babysprache unterhalten
Bianca
16.02.2016 23:10
?
Das ploetzliche Zusammensein mit Gleichaltrigen bei der Tagesmutter kann zu einer verschlechternden Sprachweise fuehren? Wie ist das denn bitte gemeint? Und ein neues Geschwisterchen? Was sind das denn fuer Argumente? Wie waere es denn zb mit dem Gebrauch von schnullern nach dem ersten lebensjahr? Das wirkt sich bestimmt auf die sprache aus, aber doch nicht der umgang mit anderen kindern.
Andrea
26.09.2015 23:44

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