Schwangerschaftscholestase
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Schwangerschaftscholestase

Ein Anzeichen ist meist starker Juckreiz an den Hand- und Fußflächen - Starker Juckreiz in der Schwangerschaft - möglicherweise handelt es sich um eine Schwangerschaftscholestase. Sie tritt in Deutschland nicht sehr häufig auf und ist für die Betroffene vor allem unangenehm. Eine Behandlung ist unbedingt erforderlich, um Risiken für das Ungeborene zu minimieren.

Ina Ilmer - Hebamme & Mutter
von Ina Ilmer
Hebamme & Mutter
Fr, 07/25/2014 - 12:15 Wed, 12/20/2017 - 11:21

Intrahepatische Schwangerschaftscholestase

In der Leber wird Gallenflüssigkeit produziert, die in den Darm transportiert wird. Dort ist sie an der Nahrungszersetzung beteiligt. Ist die Funktion der Leber gestört und die Gallenflüssigkeit wird nicht ordnungsgemäß abgeleitet, sammeln sich Gallensalze im Blut und gelangen darüber in die Haut. Das hat einen starken Juckreiz zur Folge.

Von der recht seltenen Krankheit sind gelegentlich Frauen betroffen, deren Leber empfindlich auf Schwangerschaftshormone reagiert, daher die Bezeichnung Schwangerschafts- oder intrahepatische Cholestase (hepar: griechischer Begriff für Leber).

Eine Störung der Gallenausscheidung kann auch durch ein Hindernis wie Gallensteine gestört werden, dann lautet die Bezeichnung extrahepatische Cholestase.

Für die Ableitung der Gallenflüssigkeit ist ein Transportprotein verantwortlich, dessen Funktion bei einer intrahepatischen Cholestase gestört ist. In der letzten Phase der Schwangerschaft ist außerdem der Östrogenspiegel besonders hoch, das Hormon hemmt den Transport zusätzlich.

Da mit der Gallenflüssigkeit üblicherweise verschiedene Stoffwechselabbauprodukte in den Darm gelangen, ist bei einer Schwangerschafts-Cholestase auch dieser Vorgang gestört - sie gelangen stattdessen ebenfalls in den Blutkreislauf. Durch den gesamten Prozess kann schließlich auch die Blutgerinnung gehemmt werden.

Ursachen

Die Ursachen der Schwangerschaftscholestase sind nicht eindeutig geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine erbliche Veranlagung, die in Kombination mit den hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft derartige Auswirkungen hat.

Symptome

Die Schwangerschaftscholestase äußert sich in starkem Juckreiz, der sich oft vor allem in den Handflächen bemerkbar macht. Auch die Fußsohlen können stärker betroffen sein. Der Juckreiz wird durch die erhöhte Konzentration von Gallensäure im Blut ausgelöst.

Hautveränderungen zeigen sich zunächst nicht. Erst durch Kratzen entstehen sichtbare Spuren. Dies geschieht häufig in der Nacht, da der Juckreiz dann besonders ausgeprägt ist, was wiederum zu Schlafmangel und folgender Abgeschlagenheit führen kann.

Selten steigen im Verlauf der Erkrankung die Leberwerte an. Ist dies der Fall, steigt auch der Bilirubin-Spiegel im Blut, Bindehäute und Haut können sich gelb verfärben. Die Schwangere leidet nun zusätzlich unter Gelbsucht. Zu den Symptomen können sich dann Übelkeit und Erbrechen gesellen.

Nach der Geburt sinkt der Spiegel der während der Schwangerschaft vermehrt ausgeschütteten Hormone wieder, wodurch sich die Leberfunktion normalisiert, Juckreiz und gegebenenfalls Gelbsucht verschwinden dann wieder.

Risikogruppen und mögliche Folgen

Leiden Sie einmal unter einer interhepatischen Cholestase, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auch während einer folgenden Schwangerschaft daran erkranken.

Als weiterer begünstigender Faktor gelten hormonelle Verhütungsmethoden, da der Östrogenspiegel maßgeblich am Krankheitsgeschehen beteiligt ist. Auch Gestagen hat einen gewissen Einfluss, Mediziner vermuten aber, dass die Leberfunktion durch Östrogen stärker gestört wird.

Betroffene Frauen neigen nach einer Schwangerschaftscholestase außerdem zur Bildung von Gallensteinen. Es wird daher ausdrücklich eine ausgewogene, fettarme Ernährung empfohlen.

Folgen für das Ungeborene

Der Juckreiz ist für die Schwangere äußerst unangenehm. Viel schwerwiegender können aber die Folgen für das Baby sein, denn die Gallensäure gelangt über das Blut der Mutter in dessen Blutkreislauf. Dies birgt die Gefahr einer Früh- oder Totgeburt. Das Baby kann außerdem unter Sauerstoffmangel leiden.

Diagnose

Da sich auch andere Krankheiten in Juckreiz äußern können, ist eine Abgrenzung erforderlich. Der Arzt wird sich daher zunächst ausführlich nach den Symptomen erkundigen. Auch, ob es in der Familie bereits Schwangerschaftscholestasen gab oder Sie selbst schon einmal davon betroffen waren, kann näheren Aufschluss geben.

Die eindeutige Diagnose erfolgt über eine Blutuntersuchung, um die Konzentration der Gallensäure festzustellen. Gegebenenfalls folgen noch Untersuchungen im Hinblick auf Gallensteine und die Leberwerte.

Möglicherweise wird die Blutabnahme später wiederholt, denn gelegentlich leidet eine Schwangere unter dem charakteristischen Juckreiz, noch bevor eine erhöhte Konzentration an Gallensäure nachgewiesen werden kann.

Behandlung

Den Juckreiz können Sie mit rückfettenden Salben lindern, bewährt haben sich beispielsweise Kamille und Calendula. Tragen Sie keine allzu eng sitzende Kleidung, um die Haut nicht noch mehr zu reizen. Eine fettarme Ernährung beansprucht die Leber weniger.

Diese Maßnahmen lindern die Symptome, reduzieren aber nicht die Gefahr für das Ungeborene. Häufig verschreibt der Arzt Ursodeoxycholsäure. Das Medikament wirkt sich positiv auf die Leberfunktion aus und lindert zugleich den Juckreiz. Indem weniger Gallensalze im Blut abgelagert werden, wird auch weniger an das Ungeborene abgegeben, folglich sinkt das Risiko einer Früh-, Fehl- oder Totgeburt.

Spuren des Medikaments sind anschließend auch in der Muttermilch nachweisbar, gelten jedoch bisher als unbedenklich. Zusätzlich oder alternativ kann Colestyramin verabreicht werden, um die Ausscheidung der Gallensäure zu fördern.

Eine weitere Maßnahme zum Schutz des Ungeborenen: Sobald die Lungen ihre Tätigkeit aufnehmen können, wird die Geburt eingeleitet. Da die Konzentration der Gallensäure im letzten Schwangerschaftszyklus besonders hoch ist, gelangt auch mehr in den Blutkreislauf des Babys. Wird dieser Vorgang gestoppt, sinkt das Risiko einer Totgeburt.

Die Einleitung der Geburt erfolgt in der Regel ab der 35. Schwangerschaftswoche.

Aufgrund der Gallensäure und Stoffwechselabbauprodukte im Blut neigt das Baby zu Blutungen. Das kann vermieden werden, wenn es gleich nach der Geburt Vitamin K erhält. Je nach Konzentration der Gallensäure bekommt die werdende Mutter bereits während der Schwangerschaft Vitamin K.

Nach der Schwangerschaft

Einige Wochen nach der Geburt sollten erneut die Blutwerte untersucht werden, um die Schwangerschaft als Ursache für die Cholestase zu bestätigen. Trifft dies zu, haben sich die Werte normalisiert. Andernfalls müssen weitere Untersuchungen eingeleitet werden.
Da mit der Erkrankung das Risiko der Gallensteinbildung steigt, kann außerdem eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.

Besprechen Sie auch mit dem Arzt, welche Verhütungsmethoden künftig geeignet sind, da hormonelle Mittel nach aktuellem Stand der Medizin wie oben beschrieben eine erneute Erkrankung begünstigen.
Sicher gibt es alternative Methoden.

Fazit
Die Schwangerschaftscholestase kann für die werdende Mutter äußerst unangenehm sein und für das Baby gefährlich werden. Zu den Symptomen und Folgen zählen:
Ansammlung von Gallensäure im Blut
starker Juckreiz
Störung der Stoffwechselvorgänge
Blutgerinnung gehemmt
eventuell Gelbsucht
Risiko einer Fehl- oder Totgeburt
Neigung zur Gallensteinbildung
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Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

 
 
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