Wie wichtig ist der Mittagsschlaf für mein Kind?
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Wie wichtig ist der Mittagsschlaf für mein Kind?

Ist Mittagsschlaf wirklich notwendig? Babys und Kleinkinder sind täglich von den unterschiedlichsten neuen Eindrücken umgeben, die sie verarbeiten müssen. Das gelingt am besten in Ruhepausen, wozu auch der Mittagsschlaf zählt.

Frau Dr. Rothe
von Frau Dr. Rothe
Kinderärztin
Mo, 12/22/2014 - 12:07 Mon, 01/14/2019 - 11:32

Mittagsschlaf ist sinnvoll und wichtig

Babys erleben die Umgebung mit den Sinnen. Eine Bedeutung haben die vielen Eindrücke zunächst nicht, sie muss erst gefunden werden. Dazu ist eine gesunde Entwicklung des Gehirns notwendig, das sich noch im Wachstum befindet, Schaltkreise bildet und einem ständigen Reifeprozess unterliegt. Die Schlafphasen dienen diesem Prozess, bieten Gelegenheit zu verarbeiten und Erlerntes zu festigen.

Die Wahrnehmungsfähigkeit Ihres Kindes verfeinert sich, die Motorik verbessert sich, es wird zunehmend agiler und erforscht seine Umgebung aktiver. Damit kommen ständig neue Eindrücke und Erfahrungen hinzu, die verarbeitet werden müssen.

Das geschieht zwar auch in den nächtlichen Schlafphasen, für das enorme Lernpensum, das das Gehirn in den ersten Lebensjahren meistern muss, reichen diese aber zunächst nicht aus. Der Mittagsschlaf ergänzt den nächtlichen Schlaf und stellt eine Entlastung für das Gehirn dar: Die Erlebnisse des Vormittags können verarbeitet werden und anschließend ist Ihr Kind wieder aufnahmefähig für die Nachmittagsstunden.

Idealerweise entwickelt Ihr Kind in einem geregelten Tagesablauf einen gesunden Schlafrhythmus. So kann sich der gesamte Organismus auf die regelmäßigen Phasen einstellen. Ein angenehmer Nebeneffekt: Eltern können diese Zeit ebenfalls für sich als Pause einplanen.

Wann und wie lange?

Die ideale Zeit für den Mittagsschlaf liegt zwischen 12:00 und 14:30 Uhr, vorzugsweise direkt nach dem Essen. Der Körper kann sich dann auf die Verdauung und das Gehirn auf die Verarbeitung des Erlebten konzentrieren, während der Geist zur Ruhe kommt. Um einen Schlafrhythmus zu entwickeln, sollte täglich etwa dieselbe Zeit gewählt werden.

Babys benötigen tagsüber noch wesentlich mehr Schlaf als Kleinkinder. Mit einem halben Jahr sind drei bis vier Stunden nicht ungewöhnlich, diese verteilen sich aber in der Regel über den Tag. Kinder mit zwei Jahren hingegen brauchen oft nur noch etwa ein bis zwei Stunden, die in der Mitte des Tages liegen. Im Kindergartenalter kann eine halbe Stunde bis Stunde durchaus genügen.

Wie viel Schlaf Ihr Kind zwischendurch tatsächlich braucht, ist vor allem von den Aktivitäten und Erlebnissen des Vormittags abhängig. Kinder, die körperlich und geistig viel Beschäftigung haben, sind zur Verarbeitung und Erholung auf längere Pausen angewiesen als solche, die weniger Eindrücken und Anstrengungen ausgesetzt sind.

Andererseits kann ein zu volles Vormittagsprogramm zur Reizüberflutung führen. Dieses gilt es daher, im Sinne des Kindes zu gestalten. Auch die individuelle Konstitution entscheidet über das Schlafbedürfnis.

Es ist möglich, dass ein Kind zwar mittags schläft, dafür aber abends nicht ein- oder nachts nicht durchschlafen kann. Das kann an einem zu langen Mittagsschlaf liegen. Sie können diesen etwas verkürzen, um Ihrem Kind einen gesunden Nachtschlaf zu ermöglichen. Zwischen Ende des Mittags- und Beginn des Nachtschlafes sollten mindestens vier Stunden liegen.

Wenn das Kind nicht schlafen möchte

Einige Kinder schlafen mittags problemlos ein, andere sind zu aufgeweckt oder haben Wichtigeres zu tun, ist Spielen doch so viel spannender. Haben Sie feste Zeiten eingeführt, fällt es Körper und Geist leichter, zur Ruhe zu kommen. Dennoch gibt es Kinder, die einfach nicht einschlafen können.

Die Ruhephasen sind dennoch wichtig und sollten, mindestens bis zum Kindergartenalter, eingehalten werden. Ein Ritual kann dabei helfen. Legen Sie Ihr Kind ins Bett, dunkeln Sie das Zimmer leicht ab. Es muss nicht so dunkel sein wie nachts, der Körper kann sich dann auf den Tag-Nacht-Rhythmus einstellen. Es kann eine kleine Gutenacht-Geschichte folgen oder die Spieluhr angestellt werden.

Es ist möglich, dass sich der Rhythmus Ihres Kindes von den angedachten Zeiten unterscheidet, vielleicht liegt sein Schlafbedürfnis einfach eine halbe Stunde bis Stunde früher oder später. Beobachten Sie sein Verhalten und legen Sie es gegebenenfalls etwas früher hin oder zögern Sie die Zeit versuchsweise etwas heraus.

Ist an Schlaf dennoch nicht zu denken, legt es so zumindest regelmäßige Ruhepausen ein. Manch ein Kind schläft trotz anfänglichem Unwillen. Ein zweijähriges Kind, das mittags nicht mehr schläft, kann sich zum Beispiel im Bett ein Buch anschauen und auf diese Weise zur Ruhe kommen. Alternativ können Sie ihm etwas vorlesen oder zusammen kuscheln.

Ab dem Kindergartenalter

In vielen Kindergärten werden ebenfalls Ruhezeiten eingelegt, sofern die Kinder über Mittag bleiben. Zum Schlafen können sie natürlich ebenso wenig wie zu Hause gezwungen werden, das Bedürfnis ist nun mal individuell. Sie können es zu Hause ebenso halten, wenn Ihr Kind nicht oder nur halbtags den Kindergarten besucht: um eine bestimmte Zeit ist Mittagsruhe.

Möglicherweise benötigen auch Sie diese Pause. Ihr Kind kann sich dann still in seinem Zimmer beschäftigen. Haben Sie diese Zeiten von Anfang an eingeführt und eingehalten, fällt es Ihrem Kind leichter.

Natürlich gibt es auch Kindergartenkinder, die sich mittags bereitwillig hinlegen. Schon ein kleines Nickerchen bis zu einer halben Stunde kann genügen, um fit für die Abenteuer des Nachmittags zu sein. Auch im Grundschulalter können Kinder um die Mittagszeit noch eine Pause brauchen, um Kraft zu sammeln. Die einen möchten sich hinlegen, den anderen reicht es, einige ruhige Minuten mit einem Buch zu verbringen.

Gesundheitliche Bedeutung

Schlafforscher haben festgestellt, dass das Gehirn während des Schlafes die Erfahrungen des Tages verankert und neuronale Verbindungen knüpft. Der Mittagschlaf erleichtert dies, da sich der Tag in zwei Etappen aufteilt und somit weniger Eindrücke auf einmal verarbeitet werden müssen. Dadurch erhöht sich die Ausgeglichenheit, Aufnahme- und Leistungsfähigkeit, die Lernfähigkeit wird langfristig verbessert.

Das Gehirn ist auch für die Ausschüttung der Wachstumshormone zuständig, was in den Schlafphasen stattfindet. Mangelt es an diesen, kann sich das nachteilig auf die körperliche Entwicklung auswirken und langfristig gesundheitliche Folgen haben. Das Kind kann anfälliger gegenüber Krankheiten sowie körperlich und geistig weniger belastbar sein.

Fazit: Kleine Kinder brauchen ihren Mittagsschlaf, er dient...
dem Gehirn zur Verarbeitung des Erlebten
der neuronalen Verknüpfung von Prozessen
der Ausschüttung von Wachstumshormonen
als Pause von neuen Eindrücken
dem Erhalt der Leistungsfähigkeit
Tipps von Kinderärztin Dr. Anne Rothe
  • Gerade Säuglinge tun sich beim Einschlafen häufig schwer - das Tragetuch ist daher für Babys eine gute Möglichkeit ein entspanntes Nickerchen zu machen. Babys unter drei Monaten haben häufig noch keinen Rhythmus was auch absolut der Normalität entspricht. Geben Sie Ihrem Baby immer wieder die Möglichkeit schlafen zu können, auch eine Fahrt im Kinderwagen führt häufig zum entspannten „Power Nap“
  • Machen Sie sich um das Mittagsschläfchen im Kindergarten oder in der Krippe keine Sorgen.Häufig macht das Einschlafen in der Gruppe viel weniger Probleme als wirdenken. Auch wenn Ihr Liebling nicht schläft sondern nur ruhig daliegt - entspannen vom anstrengenden Spielemorgen tut es sich auf jeden Fall.
  • Das Schlafbedürfnis variiert bei Kindern gleichen Alters deutlich, es wird sowohl von einer genetischen Komponente als auch von gelerntem Verhalten bestimmt. Ein Unterschied von 3-4 Stunden Schlafdauer pro Tag gilt noch als normal. Insbesondere wenn Ihr Kind bereits früh, z.B. im Alter von 2 Jahren, den Mittagsschlaf verweigert, sollten Sie versuchen, ihm zumindest eine „Ausruhphase“m zur Mittagszeit zu ermöglichen.

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