Flasche- und Schnullerentwöhnung
Flasche- und Schnullerentwöhnung
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Hebammengeprüft

Flasche- und Schnullerentwöhnung

Die "Hauruck-Methode" funktioniert nur selten - Babys haben einen Saugreflex, der in den ersten Lebensmonaten die Nahrungsaufnahme sichert, außerdem wirkt das Nuckeln beruhigend. Einige Babys schlafen daher beim oder nach dem Stillen ein. Einen ähnlichen Effekt haben Schnuller und Fläschchen.

windeln.de Redaktion
von windeln.de Redaktion
Di, 07/01/2014 - 10:55 Thu, 07/18/2019 - 09:49

Schnuller und Fläschchen beruhigen

Der beruhigende Effekt des Nuckelns ist bekannt. Bereits im Mutterleib saugen Ungeborene an ihren Däumchen. Oft genügt es, einem schreienden Baby seinen Schnuller oder sein Fläschchen zu geben, und es ist zufrieden.

Dass Eltern solche Seelentröster gezielt nutzen, um ihrem Baby das Einschlafen zu erleichtern oder auch die eigenen Nerven zu schonen, ist nachvollziehbar und sinnvoll.

Wird ein kiefergerechter Schnuller verwendet und es werden keine zucker- oder säurehaltigen Getränke im Fläschchen gegeben, ist dagegen auch kaum etwas einzuwenden.

Allerdings wird das Baby älter und irgendwann ist es so weit: Es soll auf den geliebten Schnuller verzichten, auch die Fläschchen sollten reduziert werden.

Wann und warum abgewöhnen?

Viele Zahn- und Kinderärzte empfehlen um den 15. Lebensmonat herum die sukzessive Entwöhnung von Schnuller und Fläschchen. Theoretisch kann mit der Entwöhnung begonnen werden, sobald das Saugbedürfnis nachlässt.

Der Abschied fällt oft um so schwerer, je länger sich das Baby daran gewöhnen durfte und im Laufe der Zeit werden Zahnfehlstellungen immer wahrscheinlicher.

Das Risiko steigt mit der täglichen Nuckeldauer - gegen kurze Zeiten haben auch Mediziner nichts einzuwenden.

Aus medizinischer und psychologischer Sicht sollte das Nuckeln spätestens im Kindergartenalter ein Ende haben.

Ihr Kind könnte sonst gehänselt werden, außerdem können sich die vorderen Zähne im Oberkiefer verschieben - der sogenannte "offene Biss" entsteht. Wenn sich eine solche Fehlstellung anbahnt, ist es allerhöchste Zeit, auf das Nuckeln zu verzichten.

Eine Zahnfehlstellung stellt sich nicht bei jedem Kind ein. Ist dies jedoch der Fall, kann das weitreichende Folgen haben. Das Abbeißen und Kauen der Nahrung wird erschwert, auch schlafen Kinder mit offenem Biss oft mit offenem Mund. Dadurch trocknen die Schleimhäute aus - sowohl die Karies- als auch die Infektanfälligkeit steigen.

Um die Sprachentwicklung nicht zu beeinträchtigen, sollten Sie Ihr Kind stets darauf hinweisen, nur ohne Schnuller zu sprechen. Schnell gewöhnt es sich sonst eine durch den Schnuller bedingte Nuschelsprache an, insbesondere wird es schwieriger, Zischlaute zu artikulieren. Das Sprechen ohne den geliebten Nuckel ist zugleich ein erster Schritt, auch mal bewusst darauf zu verzichten.

Was für den Schnuller gilt, gilt natürlich auch für das Fläschchen.

Abschied von Schnuller und Fläschchen

Schnuller und Fläschchen sind zu einem festen Bestandteil des Lebens geworden. Entsprechend schwer fällt es vielen Kindern, darauf zu verzichten. Die "Hauruck-Methode" funktioniert nur selten.

Erklärungen helfen bei einem Kleinkind noch nicht viel - mit Zahnfehlstellung und Sprachstörung kann es recht wenig anfangen.

Es mag funktionieren, ihm zu erklären, dass es nun groß ist und seine bislang treuen Begleiter nicht mehr benötigt, das ist aber keine Erfolgsgarantie.

In der Regel gestaltet sich der Verzicht als Prozess, den Sie aktiv unterstützen können. Zunächst bietet es sich an, die Nuckelzeiten einzuschränken.

Bereits mit einem Jahr sind viele Kleinkinder in der Lage zu verstehen, dass es Schnuller und Fläschchen nur noch im Auto oder im Bett gibt. Hier sind natürlich Geduld und Konsequenz gefragt.

Zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag können Sie dazu übergehen, dass das Nuckeln lediglich als Einschlafhilfe genutzt wird.

Dabei helfen kleine Rituale: Während der Gutenacht-Geschichte darf der Schnuller oder das Fläschchen noch dabei sein, danach wird ohne Nuckel geschlafen.

Die Abgewöhnung gestaltet sich natürlich nicht bei allen Kindern so einfach. Mit einigen Tricks gelingt es jedoch immer, den Abschied einzuleiten.

Griff in die Trickkiste

Möglichkeiten gibt es viele. Sicher finden Sie schnell heraus, welche für Ihr Kind geeignet ist. Zunächst ist es sinnvoll, Schnuller und Fläschchen nicht überall griffbereit herumliegen zu lassen. Das verleitet nur dazu, danach zu verlangen oder bei Bedarf selbst danach zu greifen.

Oft schon hat sich die Schnullerfee bewährt: Verzichtet Ihr Kind auf seinen Schnuller, bringt sie ihm ein Geschenk. Dieses liegt dann beispielsweise nach der ersten nuckelfreien Nacht beim Aufwachen neben ihm.

Erzählen Sie ihm immer wieder die Geschichte von der Fee, die Nacht für Nacht unterwegs ist und Nuckel einsammelt, die sie dann den kleinen Babys bringt, die sie brauchen. Vielleicht legt es seinen treuen Begleiter eines Tages freiwillig auf die Fensterbank, damit die Schnullerfee ihn holen kann.

Vielleicht gibt es einen Schnullerbaum in der Nähe, den Sie öfter gemeinsam besuchen, bis Ihr Kind bereit ist, das geliebte Stück dort ebenfalls hinzuhängen.

Gelegentlich hilft es, den Sauger mit einer Nadel anzustechen. Das Nuckeln fühlt sich dann anders an und macht einigen Kindern keinen Spaß mehr. Alternativ können Sie alle paar Tage ein kleines Stück des Saugers abschneiden. Je kürzer er wird, um so unangenehmer wird das Nuckeln.

Zur Abgewöhnung des Fläschchens können Sie eine lustige Schnabeltasse als Alternative anbieten. Möglicherweise macht es viel mehr Spaß, daraus zu trinken.

Wählen Sie für den Abschied eine ruhige Zeit ohne großartige Veränderungen. Ein Umzug oder die Geburt eines Geschwisterchens führen zu Unruhe im gewohnten Tagesablauf und Ihr Kind benötigt vielleicht gerade dann seine beruhigenden Seelentröster.

Geduld und Verständnis

Ein Kind verzichtet bereitwilliger auf Schnuller und Fläschchen, das andere besteht recht penetrant auf seine Nuckel.

Denken Sie in letztem Fall immer daran, dass es sich dabei psychologisch um wertvolle Helferlein handelt, die Ihr Kind durchaus zu schätzen weiß. Warum sollte es also darauf verzichten?

Die sanfte Methode und der Griff in die Trickkiste sind Druck stets vorzuziehen. Irgendwann ist Ihr Kind bereit zum Abschied.

Mögliche Folgen der Entwöhnung

Ist Ihr Kind über viele Monate nur mit seinem Schnuller oder Fläschchen eingeschlafen, kann es vorkommen, dass es ohne diese Begleiter schwieriger wird. Auch in Alltagssituationen, zum Beispiel während der Autofahrt oder beim Einkaufen, könnte es ohne die beruhigenden Helfer turbulenter zugehen.

Wiederum sind Geduld und Einfallsreichtum gefragt. Lenken Sie Ihr Kind ab und bieten Sie ihm Alternativen an. Sicher werden diese unruhigen Phasen immer kürzer und seltener.

Die Vorteile ohne Schnuller überwiegen mögliche Nachteile in jedem Fall: Ihr Kind wird selbstständiger, das Risiko einer Zahnfehlstellung wird geringer und die Sprachentwicklung wird nicht durch den Nuckel gestört.

Allerdings sind Schnuller oder der Nuckel der Flasche eindeutig dem Daumen vorzuziehen. Die Sauger sind weicher und - entsprechende Qualität vorausgesetzt - kiefergerecht geformt.

Eine Fehlentwicklung des Kiefers ist bei Daumen lutschenden Kindern eher zu erwarten.

Tipps zur Flaschen- und Schnullerentwöhnung im Überblick:

  • nachlassendes Saugbedürfnis nutzen
  • Nuckel-Zeiten sukzessive einschränken
  • Zahn- und Sprachentwicklung im Auge behalten
  • Rituale oder Geschichten ausdenken
  • Nuckel manipulieren
  • keinen Druck ausüben

© lisalucia - Fotolia.com

Tipp von Hebamme Christina Altmann
  • Evolutionsbiologisch ist nachgewiesen, dass das natürliche Saugbedürfnis erst zwischen dem 3.-7 Lebensjahr gänzlich erlischt. Dies sollten Sie im Kopf haben, wenn Ihr Kind so gar nicht einverstanden ist, wenn es deutlich früher entwöhnt werden soll. Die Entscheidung kann dann nochmal überdacht werden.
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Dieser Artikel wurde von unserem Expertenteam geprüft.

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