Neurodermitis (atopisches Ekzem)
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Neurodermitis (atopisches Ekzem)

Die häufigste Hauterkrankung bei Babys und Kleinkindern - Bei der Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung, die in Schüben auftritt.

Charakteristische Merkmale der Neurodermitis sind ein quälender Juckreiz sowie Rötungen der sehr trockenen und schuppigen Haut sowie nässende Ekzme.

windeln.de Redaktion
von windeln.de Redaktion
Mo, 08/14/2017 - 15:53 Fri, 02/09/2018 - 16:13

Was ist Neurodermitis?

Bei Kindern und Jugendlichen können zusätzlich Hautverdickungen auftreten. Bei den Schüben wechseln sich akute Phasen mit den typischen Merkmalen einer Neurodermitis mit Phasen ohne Beschwerden ab. Die Haut bleibt in der erscheinungsfreien Zeit aber dennoch sehr trocken und pflegebedürftig.

In Deutschland sind etwa 12 Prozent aller Kinder an Neurodermitis erkrankt - Tendenz steigend. Damit ist das atopische Ekzem die häufigste Hauterkrankung bei Kindern. Neurodermitis wird vererbt, es gibt aber weitere Faktoren, die die Schübe begünstigen.

Dazu zählt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, psychische Faktoren wie Angst und Stress sowie eine Allergie auf Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Pflegeprodukte.

Während im Babyalter vor allem Kopf, Gesicht und die Beugen der Arme und Beine betroffen sind, zeigt sich die Neurodermitis bei Kindern und Jugendlichen vor allem im Nacken, Dekolleté, Schultern, an Händen und Handgelenken. Die stark gereizte Haut ist außerdem sehr anfällig für Entzündungen. Im Verlauf der Hauterkrankung entwickelt etwa die Hälfte der betroffenen Kinder zusätzlich eine allergische Erkrankung der Atemwege.

Nicht selten sind die schuppigen Ekzeme für die Kinder mit einer starken psychischen Belastung verbunden. Nicht nur der starke Juckreiz quält sie, auch die negativen Reaktionen des sozialen Umfelds, welche sich in Ablehnung und Ekel äußern können, sind eine starke Belastung. Eine intensive Unterstützung und Zuwendung der Familie und Freunde sind deshalb für diese Kinder besonders wichtig.

Das hilft bei Neurodermitis

Für das atopische Ekzem gibt es bisher keine Heilungschancen. Durch einen bewussten Umgang mit der Hauterkrankung, wie zum Beispiel eine intensive Hautpflege, gesunde Ernährung und die Wahl der richtigen Kleidung, können die Symptome jedoch gelindert werden.

Außerdem besteht die Chance, dass die Symptome mit zunehmendem Alter der Kinder nachlassen oder sogar ganz verschwinden.

So klingt die Neurodermitis bei rund 50 Prozent aller betroffenen Babys in den ersten zwei Jahren wieder ab. Die Haut bleibt jedoch ein Leben lang trocken, empfindlich und bedarf einer intensiven Pflege.

Kleidung für empfindliche Haut

Um die stark beanspruchte Haut zu schützen, sollten Eltern unbedingt auf die Wahl hautfreundlicher Textilien achten. Empfehlenswert ist Kleidung aus Baumwolle, da sie atmungsaktiv und bei hohen Temperaturen in der Waschmaschine zu reinigen ist. Außerdem sind Silbertextilien erhältlich, die mit ihrem Gewebe aus Silberfäden antibakteriell wirken.

Neben dem Material kann aber auch die Behandlung der Textilien (Farbstoffe oder chemische Behandlungen) Auslöser für Allergien sein.

Diese Hinweise werden auf der Kleidung jedoch nicht vermerkt. Deshalb ist es ratsam, die Kleidung vor dem Tragen mindestens ein Mal zu waschen. Mittlerweile gibt es Hersteller, die spezielle Neurodermitis-Kleidung für Babys und Kleinkinder im Sortiment haben.

Tipp: Bei Babys und kleinen Kindern haben sich vor allem Baumwollhandschuhe bewährt, die das Kratzen in der Nacht verhindern können.

Die richtige Körperpflege

Bei Kindern mit Neurodermitis wird als Basistherapie gegen den Juckreiz die Haut mit fettenden Salben oder Cremes behandelt. So kann verhindert werden, dass die Haut aufgekratzt und zusätzlich belastet wird. Außerdem sind rückfettende Badezusätze empfehlenswert.

Wichtig: Eltern sollten darauf achten, dass die Pflegeprodukte keine Farb- und Duftstoffe enthalten sowie frei von Konservierungsmitteln und Paraffinen sind. Für Babys und Kinder mit Neurodermitis gibt es spezielle Pflegeprodukte, die auf die Bedürfnisse der überempfindlichen Haut abgestimmt sind.

Generell gilt bei Kindern mit Neurodermitis: Um Schüben vorzubeugen, sollte die Haut so wenig wie möglich belastet werden. Lange und zu heiße Bäder, die die Haut zusätzlich austrocknen, sollten unbedingt vermieden werden.

Ernährung bei Neurodermitis

Für Kinder mit einem erhöhten Allergierisiko ist die richtige Ernährung das A und O. Babys sollten deshalb im Idealfall mindestens 4 bis 6 Monate voll gestillt werden.

Können oder wollen die jungen Mütter nicht stillen, sollten sie ihrem Baby eine hyperallergene HA-Nahrung geben. Außerdem sollten Lebensmittel, die Allergien auslösen können, wie zum Beispiel Hühnerei, Weizen, Kuhmilch, Soja, Nüsse und Fisch dem Kind erst nach dem 2. Geburtstag gegeben werden. Und auch bei älteren Kindern sollte bei einer Verschlechterung der Symptome auf diese speziellen Allergene geachtet werden.

Allerdings gibt es in der Nahrung, ähnlich wie bei der Kleidung, viele versteckte Zusatzstoffe, die bei Kindern Allergien auslösen können. Hierzu gehören zum Beispiel Aromen, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder Pestizide bei gespritztem Gemüse.

Neurodermitis vorbeugen

Bei stark allergiegefährdeten Kindern, wenn zum Beispiel auch bei den Eltern Neurodermitis oder andere Allergien auftreten, gibt es einige Maßnahmen, die die Hautkrankheit verzögern oder abschwächen können.

Zunächst sollten Stoffe, die Allergien auslösen können, aus der Umgebung des Kindes entfernt werden: Eltern sollten auf Teppiche verzichten, häufig Staub wischen und die Kuscheltiere regelmäßig waschen. Außerdem können Haustiere bei Kindern Allergien auslösen.

Des weiteren raten Ärzte Eltern dringend vom Rauchen in geschlossenen Räumen und der Nähe der Kinder ab.

Möglichkeiten der Therapie

Verbessern sich die Beschwerden des Kindes trotz intensiver Hautpflege und der Meidung von Allergenen nicht oder verschlimmern sich sogar, können Kortisonpräparate Linderung verschaffen. Kortison gilt als starker Entzündungshemmer, wird von Eltern wegen möglicher Nebenwirkungen für das Kind, wie zum Beispiel den Einfluss auf den Hormonhaushalt, jedoch kritisch gesehen.

Der behandelnde Arzt wird je nach Krankheitsbild Dosis und Anwendungsdauer so wählen, dass keine Nebenwirkungen zu befürchten sind.

Außerdem können feuchte Umschläge mit Kochsalzlösung der stark beanspruchten Haut helfen. Die Wunden, die durch das starke Kratzen entstehen können, bieten zusätzlich eine Angriffsfläche für Pilze, Bakterien und Viren.

Bei einer Infektion der Haut sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, der dem kleinen Patienten unter Umständen Antibiotika verschreibt.

Viele Eltern setzen ihre Hoffnung in alternative Heilmethoden wie die Homöopathie oder Akupunktur. Deren Wirksamkeit bei Neurodermitis ist jedoch nicht bewiesen. Wird ein Heilpraktiker hinzugezogen, sollte die Basistherapie auf keinen Fall unterbrochen werden.

Tipp: Um die Beschwerden zu lindern, kann ein Urlaub in einem hypoallergenen Klima wie zum Beispiel an der Nordsee oder im Hochgebirge hilfreich sein. Eltern können sich bei ihrer Krankenkasse über die Kosten für eine Kur informieren.

Zusammenfassung:

  • Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung
  • Symptome: Starker Juckreiz und trockene, schuppige Haut 
  • Etwa 12 Prozent der Kinder in Deutschland sind betroffen
  • Linderung durch Ernährung, Körperpflege und die richtige Kleidung
  • Ausschluss von Allergenen (Nikotin, Hausstaub, Tierhaare, Nahrungsmittel) wichtig
  • Kortison hilft bei starken Beschwerden
  • Neurodermitis klingt mit zunehmendem Alter häufig ab

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