Babyspeck oder schon Übergewicht?
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Babyspeck oder schon Übergewicht?

Babyspeck ist wichtig, denn er hat eine schützende Funktion. Er ist bei Säuglingen ein Zeichen von Gesundheit und bedeutet nicht, dass sie übergewichtig sind. Doch es gibt tatsächlich auch Babys, die zu dick sind.

Frau Dr. Rothe
von Dr. Anne Rothe
Kinderärztin
Mo, 09/01/2014 - 09:15 Wed, 05/02/2018 - 09:52

Schon in der Schwangerschaft auf eine gesunde Ernährung achten

Statistisch hält sich Übergewicht bei Babys noch in Grenzen.Die Tendenz ist jedoch steigend. Ärzte warnen vor den gesundheitlichen Folgen und raten, frühzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Diese beginnen bereits in der Schwangerschaft: Ist die werdende Mutter übergewichtig und ernährt sich falsch, überträgt sie das auf ihr ungeborenes Baby. Dasselbe trifft auf stillende Mütter zu. Eine ausgewogene Ernährung während und nach der Schwangerschaft ist die ideale Voraussetzung für ein normalgewichtiges Kind.

Was für die Mutter gilt, trifft natürlich auch auf das Kind zu. Nach dem Abstillen benötigt es eine gesunde Nahrung in angemessener Menge. Insbesondere zuckerhaltige Lebensmittel begünstigen Übergewicht.

Neben der Ernährung ist auf eine kindgerechte Umgebung zu achten. Ein Kind muss seine Neugier und seinen Bewegungsdrang ausleben können. Es benötigt Reize, die die Sinneswahrnehmungen anregen. Wichtig sind außerdem Fürsorge und Geborgenheit, denn emotional vernachlässigte Kinder können psychische Probleme entwickeln, die schließlich zu Essstörungen führen.

Babyspeck oder Übergewicht?

Babyspeck ist wichtig, denn er hat eine schützende Funktion. Es sind jedoch nicht alle Babys gleich rundlich, weshalb es Eltern gelegentlich verunsichert, wenn das eigene Kind vergleichsweise schlank oder aber ein richtiger Wonneproppen ist.

Die bei Erwachsenen übliche Methode, den Body Mass Index als Richtwert für das Verhältnis zwischen Körpergröße und Gewicht hinzuzuziehen, hilft bei Babys nicht. Im ersten Lebensjahr steigt der Körperfettanteil an und kann etwa 25 Prozent des Gesamtgewichts ausmachen. Bei einem Erwachsenen würde das erhebliches Übergewicht bedeutenBei einem Baby verwächst sich das in der Regel.

Um herauszufinden, ob das Gewicht eines Kindes auch nach der Geburt im normalen Bereich liegt, muss seine Entwicklung in den ersten Lebensmonaten und -jahren beobachtet werden. Die regelmäßigen Untersuchungen durch den Kinderarzt sind dabei hilfreich. Dieser kann Sie außerdem bei Unsicherheit beraten.

Richtwerte

In den ersten Tagen nach der Geburt können Babys bis zu zehn Prozent ihres Gewichts verlieren. In diesem Fall erreichen sie es normalerweise innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder und nehmen dann stetig zu.

In den ersten drei Monaten sollte das Gewicht um etwa 150-200 Gramm pro Woche steigen.Anschließend verlangsamt sich die Zunahme auf etwa 170 Gramm. Dabei handelt es sich um Richtwerte.Die Gewichtszunahme Ihres Kindes kann also durchaus davon abweichen. Die in den Vorsorgeuntersuchungsheften geführte Perzentilenkurve verrät, ob die Entwicklung im üblichen Bereich liegt.

Mädchen wiegen durchschnittlich im ersten Monat 4.200 Gramm, Jungs 4.500 Gramm. Das Durchschnittsgewicht bei Mädchen im vierten Monat beträgt rund 6.400, im zehnten 8.500 und mit einem Jahr 8.900 Gramm. Bei Jungen sind es analog durchschnittlich 7.000, 9.200 und 9.600 Gramm.

Das tatsächliche Gewicht variiert mit der Größe und Konstitution des Kindes, Abweichungen nach oben bedeuten daher nicht zwangsläufig, dass es übergewichtig ist. Stellt der Kinderarzt keine andere Diagnose, dürfen Sie also unbesorgt sein.

Kontrollen nicht übertreiben

Übertriebene Gewichtskontrollen und ständige Vergleiche mit anderen Kindern sind kontraproduktiv. Sie können zu einer verzerrten Betrachtungsweise führen und schließlich zur Folge haben, dass die Ernährung grundlos eingeschränkt wird und das Kind zu sehr abmagert.

Dreht sich alles um das Gewicht, überträgt sich die Sorge außerdem womöglich auf das Kind, was langfristig zu einem gestörten Essverhalten führen kann.

Was tun bei Übergewicht?

Ist Ihr Kind tatsächlich übergewichtig, muss die Ursache herausgefunden werden. Sicher wird Sie der Kinderarzt zunächst nach der Ernährung fragen. Machen Sie hierzu ehrliche Angaben. Eventuell ist es hilfreich, sich über einen gewissen Zeitraum Notizen zu machen, wann, wie oft und mit was Sie Ihr Kind ernähren. Der Arzt wird dies anschließend mit Ihnen besprechen und gegebenenfalls den Speiseplan anpassen.

Liegt das Übergewicht nicht im Essverhalten begründet, kann Bewegungsmangel die Ursache sein. Achten Sie stets darauf, dass sich Ihr Kind ausreichend bewegen kann, und animieren Sie es bei Bedarf dazu.

Ist Ihr Kind trotz einer an sich ausgewogenen Ernährung und Aktivität übergewichtig, ist möglicherweise eine genetische Veranlagung dafür verantwortlich. Auch dann können die Anpassung des Speiseplans und ein spezielles Bewegungsprogramm helfen.

Sind all diese Ursachen ausgeschlossen, kann eine Erkrankung zugrunde liegen. Eine Stoffwechselstörung kann ebenso verantwortlich sein wie eine Fehlfunktion von Organen oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Neben dem Kinderarzt können Beratungsstellen im Umgang mit dem Übergewicht helfen. Hier wird Ihnen mit einer Ernährungsberatung geholfen und Sie erhalten Tipps zu einem Bewegungsprogramm. Sie erfahren außerdem, welche Folgen Übergewicht bei Kindern haben kann und warum es wichtig ist, gegenzusteuern.

Kleinkinder sollten übrigens keine Diät machen. Sie benötigen vollwertige, aber ausgewogene Nahrung. Bei Übergewicht ist daher eine Ernährungsberatung sinnvoller. Für Kleinkinder gibt es außerdem spezielle Programme, in denen sie spielerisch lernen, welche Lebensmittel gesund sind, welche Übergewicht begünstigen und warum dies ungesund ist.

Möchten Sie eine derartige Möglichkeit in Anspruch nehmen, können Sie sich beim Kinderarzt oder einer Beratungsstelle informieren.

Frühzeitig Maßnahmen ergreifen

Kommt ein Baby übergewichtig zur Welt oder nimmt es nach der Geburt übermäßig zu, vergrößern sich die Fettzellen. Je länger das Übergewicht anhält, umso schwerer wird es, den Körper wieder umzuprogrammieren, denn er neigt dazu, die Fettdepots zu erhalten. Das Abnehmen fällt also mit zunehmendem Alter immer schwerer.

Das kann nicht nur zu psychischen sondern auch zu gesundheitlichen Problemen führen. Kinder mit Übergewicht neigen verstärkt zu Diabetes und können frühzeitig Probleme mit dem Bewegungsapparat bekommen. Das Herz-Kreislauf-System leidet ebenfalls darunter.

Fazit
Säuglinge nehmen in den ersten Lebensmonaten oft stark zu („Babyspeck“). Bei ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung „verwächst“ sich dieser Körperbau in den ersten Lebensjahren.
Auf ein bedenkliches Übergewicht wird Ihr Kinderarzt Sie bei den Vorsorgeuntersuchungen hinweisen.
Ursachen hierfür sollten ärztlich abgeklärt werden.
Tipps von Kinderärztin Dr. Anne Rothe
  • Mit einer vollwertigen Ernährung schon in der Schwangerschaft und Stillzeit legen Sie den Grundstein für ein gesundes Leben Ihres Babys.
  • Vollkornbrot, Gemüse, Obst und Milchprodukte sollten täglich auf dem Speiseplan jedes Kindes stehen, Süssigkeiten nur in geringen Mengen erlaubt sein.
  • Getränke sollten generell ungesüsst (Wasser, Tee) und Saftschorlen eher die Ausnahme sein.
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