Langsamkeit in der Erziehung
Langsamkeit in der Erziehung
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Langsamkeit in der Erziehung

Zwischen den alltäglichen Aufgaben muss man sich auch einmal entspannen können - Ist Langsamkeit in der Erziehung sinnvoll? Sollte das Kind nicht eher gefördert werden, indem es gefordert wird? Warum trödeln Kinder eigentlich so gerne? Wie lässt sich dies mit dem Terminplan der Eltern vereinbaren und wie können Kindern Disziplin lernen, wenn ihrer Bummelei nachgegeben wird?

windeln.de Redaktion
von windeln.de Redaktion
Mo, 03/16/2015 - 14:28 Wed, 10/11/2017 - 14:44

Langsamkeit in der Kinderwelt

Die Welt kleiner Kinder ist frei von Terminen und Verpflichtungen, sie entdecken ihre Umgebung täglich neu. Völlig selbstvergessen können sie einen Käfer beobachten, den Matsch mit den Händen erkunden, das Wasser in der Pfütze spritzen lassen, den Brei auf dem Tisch verteilen.

Eltern hingegen möchten die Einkäufe erledigen, gehen gedanklich die Liste der wartenden Hausarbeiten durch, können dem Regenwurm am Wegesrand kaum etwas abgewinnen, während sie durchnässt auf ihr Kind warten.

Die elterlichen Verpflichtungen und Zeitpläne sind mit dem kindlichen Erleben der Welt oft nicht leicht zu vereinbaren. Kinder möchten unbeschwert ihre Neugier befriedigen. Sie leben nur im Augenblick, genießen den Moment.

In der Ruhe liegt die Kraft

Muss die Waschmaschine jetzt wirklich angestellt werden? Kann das Essen nicht auch mal eine halbe Stunde später auf dem Tisch stehen? Wartet die Bügelwäsche nicht bis morgen? Sicher gibt es täglich zahlreiche Dinge, die erledigt werden müssen und nicht alles kann verschoben werden.

Es sind Arbeitszeiten einzuhalten, die Geschäfte haben feste Öffnungszeiten, ein wichtiger Arzttermin ist heute, nicht morgen.

Dennoch: Das eine muss das andere nicht ausschließen. Was spricht dagegen, zwischendurch auch mal die Seele baumeln zu lassen? Kann es nicht eine Wohltat sein, wenn die Gedanken einige Zeit zur Ruhe kommen und nur der Augenblick erlebt wird? Ihr Kind kann Ihnen zeigen, wie es geht.

Lassen Sie sich in den Zeiten, die es ermöglichen, auf das kindliche Erleben ein, kann das eine Bereicherung für Ihr Leben sein. Alltägliche Dinge gehen in einem entspannten Zustand wesentlich leichter von der Hand und in einer ausgeglichenen Verfassung werden Stress und Hektik weniger belastend.

Nehmen Sie gelegentlich die Geschwindigkeit aus dem Leben, kann das zu einem harmonischen Miteinander beitragen. Sie können auf einem Spaziergang gemeinsam die Wunder der Natur entdecken, Dinge für die nächsten Basteleien sammeln, Geschichten erfinden. So fühlt sich Ihr Kind in seinem Erleben ernst genommen, während die Entschleunigung Ihnen Gelegenheit gibt, Kraft zu tanken.

Wie soll das Kind dann Disziplin lernen?

Kinder müssen lernen, dass es im Leben auch Verpflichtungen gibt. Spätestens mit dem Kindergartenalter sind feste Zeiten einzuhalten, ab der Einschulung sind täglich Hausaufgaben zu erledigen. Das Leben besteht nicht nur aus Spaß und Spiel, sondern es muss auch aufgeräumt werden.

Schließlich soll Ihr Kind zu einem eigenständigen Charakter heranwachsen und sein Leben später meistern können.

Die kindliche Phase des Entdeckens und Erlebens ist dennoch wichtig für die Entwicklung. Kann die Welt ohne Zeitdruck mit den Sinnen erkundet werden, schafft dies eine stabile emotionale Grundlage.

Vergegenwärtigen Sie sich einfach: Ein Spaziergang muss nicht auf Fortbewegung abzielen, sondern kann auch stehenbleiben und eine Blütenpracht beobachten bedeuten, außerdem müssen nicht alle Hausarbeiten sofort erledigt werden.

Sie fördern Ihr Kind, indem Sie es ermutigen, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen, seine Kreativität auszuleben, sich zu überlegen, was aus Tannenzapfen, Kastanien, Blättern und Zweigen gebastelt werden kann.

Zu Hause können Sie es in die täglichen Aufgaben einbeziehen. Nach dem Spielen werden die Bauklötze zusammen in die Kiste geräumt, nach dem Essen darf Ihr Kind helfen, den Tisch abzuräumen. Mit kleineren Aufgaben setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck.

Ohne überfordert zu sein, lernt es, dass in der "Welt der Großen" gewisse Dinge zu erledigen sind. Bleiben Sie diesbezüglich konsequent. Im Gegenzug darf es Ihnen anschließend seine Welt zeigen, in der statt Hektik, Stress und Verpflichtungen die erfüllte Langsamkeit des sinnlichen Erlebens regiert.

Eltern und Kinder profitieren von der Entschleunigung

Spätestens in der Schule ist Ihr Kind gefordert. Es muss täglich pünktlich aufstehen und Leistung erbringen. Jetzt ist ein Ausgleich besonders wichtig. Ihr Kind muss auch mal abschalten dürfen und unbeschwert anderen Beschäftigungen nachgehen können.

Lassen Sie sich frühzeitig von Ihrem Kind zeigen, wie es geht, können Sie Zeiten der Langsamkeit in den Alltag integrieren. Ihr Kind kann die Herausforderungen des Lebens besser meistern, wenn es daneben Momente der Entspannung gibt. Das trifft auch auf Sie zu.

Beginnen Sie den Tag entspannt, nehmen Sie die Hektik heraus, indem Sie frühzeitig aufstehen. Genießen Sie das gemeinsame Frühstück. Bereiten Sie sich in aller Ruhe auf den Tag vor.

Am Nachmittag, während Ihr Kind die Hausaufgaben erledigt, können Sie sich dem Haushalt widmen. Danach belohnen Sie sich gemeinsam mit einem Spaziergang, den Sie so gestalten, wie Sie es von Ihrem Kind lernen durften. Frisch gestärkt von ihrem sinnlichen Erleben kehren Sie in den Alltag zurück.

© MNStudio - Fotolia.com

Fazit
auf das Kind einlassen
Gedanken an Verpflichtungen beiseite schieben
die Welt neu entdecken
den Augenblick genießen
bei kleinen Alltagsaufgaben konsequent bleiben
Langsamkeit führt zu Ausgeglichenheit und schließt Pflichterfüllung nicht aus
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