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06.05.2016

Sport & Bewegung im Kindesalter

Wie wichtig ist Sport für Kinder?

Wie wichtig ist Sport für Kinder?

Die Medien melden immer wieder, dass nicht nur die Erwachsenen, sondern auch viele Kinder unter Bewegungsmangel und in der Folge unter Zivilisationskrankheiten wie Bewegungsmangel oder Übergewicht leiden. So dramatisch wie in entsprechenden Berichten manchmal dargestellt, ist die Lage jedoch nicht.

Die letzten Kinder- und Jugendgesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts (RKI) förderte zutage, dass 95 Prozent aller vier- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen Sport betreiben, rund 50 Prozent von ihnen sind Mitglied in einem Sportverein. Für die Entwicklung von Motorik, Reaktionsvermögen, Bewegungskoordination und Gleichgewichtssinn der Kids ist dies auf alle Fälle gut.

Kinder und Jugendliche in Deutschland - zu geringe Bewegungsintensität

Allerdings: Nur 13,6 Prozent von ihnen bewegen sich zumindest im Rahmen des organisierten Sports mindestens drei Mal in der Woche. Experten wissen, dass der Alltag der Kinder außerhalb von Sportunterricht oder Vereinssport immer bewegungsärmer wird.

Für die RKI-Studie haben die Wissenschaftler die Daten von mehr als 4.500 Kindern und Jugendlichen ausgewertet und dabei eine ganze Reihe von Defiziten ausgemacht. 86 Prozent von ihnen schafften es nicht, für eine Minute auf einer Schiene ohne Bodenberührung auf einem Bein zu balancieren. Knapp 50 Prozent erreichten bei Rumpfbeugen mit gestreckten Beinen nicht den Boden.

Das Problem im Hintergrund: Die Bewegungsintensität beim Sport ist bei vielen Kindern zu gering. Nur 21 Prozent von ihnen powern sich dabei aus, bis sie ins Schwitzen kommen. Erst dann erfolgt jedoch ein wirkungsvoller Muskelaufbau und trägt zur Verbesserung von Ausdauer und Körperhaltung bei.

Die Empfehlung der WHO (Word-Health-Organization) dafür lautet: Mindestens einmal pro Tag eine Stunde intensiver Sport - was nur ein knappes Drittel der untersuchten Kinder und Jugendlichen tatsächlich macht.

Schrumpfende Bewegungsräume für viele Kids

Ebenso problematisch sind die abnehmenden Bewegungsräume vieler Kinder. Mit dem Schuleintritt füllt sich sukzessive der Terminkalender, Spiel und Sport im Freien kommen dabei definitiv zu kurz. Auch hier weisen die RKI-Forscher einige Durchschnittswerte aus:

Kinder im Kindergartenalter halten sich noch an sechs Tagen in der Woche aktiv im Freien auf, nach der Einschulung fehlt ihnen die Zeit dafür. Aktive Bewegung im Freien findet dann nur noch an maximal fünf Wochentagen statt.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (BAG) weist in einer Untersuchung aus, dass der durchschnittliche Grundschüler pro Tag zehn Stunden schläft, neun Stunden mit Schule, Hausaufgaben, Essen und Medienkonsum verbringt, vier Stunden steht oder in normalem Tempo geht.

Für Sport und aktive Bewegung bleibt bei diesem "Pensum" täglich nur eine Stunde übrig. Wirklich intensiv bewegen sich die Kinder meist nur eine Viertel- bis eine halbe Stunde.

Der BAG-Experte Frank Obst rät Eltern vor diesem Hintergrund, den Medienkonsum ihrer Kinder einzuschränken. Fernsehen und Computernutzung aus purer Langeweile müssen nicht sein. Die tatsächlichen Ursachen für den Bewegungsmangel liegen seiner Einschätzung nach jedoch woanders: Kinder und Jugendliche führen heute ein "Inseldasein" - Schule, verschiedene Kurse, Wohnung, Freunde. Vor allem für jüngere Kinder übernimmt meist ein Elternteil den Fahrdienst.

Frühere Generationen haben sich dagegen ihre Umwelt in "konzentrischen" Kreisen erobert, zunächst auf heimischem Terrain gespielt und irgendwann einen immer größeren Bewegungsradius erobert. Die Kontakte zu Spielkameraden und die Möglichkeit zu aktiver Bewegung ergaben sich daraus von selbst.

Heutige Kids müssen mit ihren Freunden dagegen erst einmal die jeweiligen Terminpläne überprüfen und Zeit für Sport und andere gemeinsame Aktivitäten finden.

Plädoyer für mehr Bewegung

Für Sport und Bewegung brauchen Kinder und Jugendliche Freiräume und Angebote - hier sind auch die Eltern in der Pflicht. Auch in Großstädten gibt es Spiel- und Tobe-Plätze, Parks und Sportanlagen.

Der Schulweg zu Fuß ist hier ein guter Anfang - nach den Zahlen der BAG absolvieren ihn immerhin 70 Prozent der Grundschüler auf diese Weise - Spiel und Sport im Freien ersetzt dies jedoch nicht. Ideal ist, wenn auch die Schulen Sport- und Bewegungsangebote machen.

Die BAG-Experten wissen: Bereits eine Stunde Sport senkt das Frustrations- und Aggressionspotential der Kinder, erhöht ihre motorische Leistungsfähigkeit und verringert ihr Unfall-Risiko. Erfolge im Sport stärken das Selbstvertrauen. Auch Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft werden durch regelmäßige Bewegung größer - der Grund:

Die Sauerstoffaufnahme sowie die Gehirndurchblutung wachsen. Langes Sitzen gehört übrigens grundsätzlich nicht zu unserem genetischen Programm - Grundschüler schaffen dies zunächst nur für etwa zehn Minuten. Wenn Lehrer in den Schulalltag jüngerer Kinder regelmäßige Bewegungspausen integrieren, hat dies in der Regel einen Aufmerksamkeitsschub zur Folge.

Eltern können ihren Kindern hier übrigens ein gutes Vorbild sein. Lassen Sie öfter das Auto stehen, ersetzen Sie den ausgedehnten Fernsehnachmittag durch eine Radtour oder regelmäßige Bewegungsspiele - Sie lassen damit Ihren Kids, aber auch sich selbst etwas sehr Gutes angedeihen.

Und welche Sportart passt am besten für mein Kind?

Natürlich können Sie zusammen mit Ihrem Kind auch aktiv nach Sportangeboten suchen. Meist melden sich die Kids von selbst, wenn sie Interesse an einer bestimmten Sportart haben. Dauerhaft dabei bleiben sie jedoch meist erst ab dem zehnten Lebensjahr. Wichtig ist, dass Ihr Kind sich dabei ausprobieren kann, sich mit der Gruppe sowie dem Trainer wohlfühlt und das Recht hat, sich - auch mehrmals - neu entscheiden zu dürfen.

Der gewählte Sport sollte seinen Interessen und Begabungen entsprechen. Viele Vereine und andere Sporteinrichtungen bieten für Kinder und Jugendliche Schnupperstunden an. Für den Einstieg sind ein oder zwei Trainingseinheiten pro Woche optimal. Falls sich Ihr Kind irgendwann ein intensiveres Training wünscht, kann es sein Sportprogramm später immer noch erweitern.

Für Kinder, die an Dyspraxie (Koordinationsstörung) leiden, die in ihrer motorischen Entwicklung verzögert sind oder einfach nur leichte Probleme mit ihren motorischen Fähigkeiten haben, bieten sich Sportarten/Sportvereine an, die weniger wettkampforientiert sind.

Bei Ballsportarten (z.B. Tennis, Fußball, Volleyball) werden hohe Ansprüche an die Koordination gestellt und es geht in erster Linie um den Sieg, wohingegen Sportarten wie Judo, Reiten, Karate oder Schwimmen eher den individuellen Erfolg feiern und sich das Kind nur an seinen eigenen Leistungen misst. Dies ist für das Selbstbewusstsein oft hilfreicher, als wenn der direkte Vergleich mit anderen Kindern im Team stattfindet oder ein Kind immer als letztes in das Team reingewählt wird.

© Dusan Kostic - Fotolia.com

Fazit

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind selbstbestimmte Bewegungsräume - möglichst im Freien und mit anderen Kindern - hat.
  • Reduzieren Sie Medienzeiten auf ein Minimum.
  • Integrieren Sie Sport und Bewegung in Ihren Familienalltag.
  • Führen Sie Ihr Kind an verschiedene Sportangebote heran, lassen sie es dabei seinen Wünschen und Interessen folgen. Sportart-Wechsel sind dabei nicht schlimm, sondern ermöglichen Ihrem Kind, sich in verschiedenen Bereichen und unterschiedlichen Gruppen auszuprobieren.
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